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Sonntag, 05 Februar 2012
 
 
Als Biologin abheben | Drucken |  E-Mail

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Mag. Bettina Golob
Mag Bettina Golob, (Biologie/Botanik) hält als Geschäftsführerin der Regionalmanagement Kärnten Dienstleistungs GmbH. die Geschicke der Regionalentwicklung in Ihren Händen. Auf den ersten Blick hat diese Position nichts mit der ursprünglichen Ausbildung zu tun. Stimmt dieser Eindruck?

Golob: Die Hauptaufgabe liegt jetzt natürlich im Bereich des Managements, der Personalführung, Finanzgebahrungen, der Netzwerktätigkeit und der Entwicklung und Umsetzung von Strategien und Projekten.

Das Regionalmanagement ist die Schnittstelle zwischen den Gemeinden, Projektträgern und den öffentlichen Stellen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene.
Als Biologin mit einem Hang zur Ökologie habe ich allerdings gelernt, vernetzt zu denken und Zusammenhänge zu erkennen. Das kommt mir in der integrativen Arbeit des Regionalmanagements zu Gute. Und viele Projekte haben auch einen Bezug zum Naturschutz und der Erhaltung und Nutzung natürlicher Ressourcen. Unsere Organisation hat als zwei Schwerpunktthemen das Naturparkmanagement und das Themenfeld „Erneuerbare Energie“. Mein fachlicher Hintergrund hilft mir sehr dabei, Projekte aus diesen Bereichen zu beurteilen oder Strategien zu entwickeln. Und nicht zu vergessen ist der Vorteil, viele Kontakte im Bereich der Naturwissenschaften und der Landwirtschaft zu haben.

life-science: Sie waren am Beginn Ihrer beruflichen Laufbahn unmittelbar in Ihrem Fachbereich tätig. Warum sind Sie nicht darin geblieben?

Golob:
Das war mehr oder weniger Zufall. In einer Zeit mit verschiedenen Unsicherheiten habe ich ein Inserat entdeckt, indem ein/e RegionalmanagerIn für Oberkärnten gesucht wurde. Und ich habe mich aus Neugier beworben, weil ich wissen wollte, welchen „Marktwert“ ich habe. Das ich den Job dann bekomme habe, hat mich zuerst überrascht. Dann habe ich beschlossen, dass ich mich zumindest für eine gewisse Zeit auf diese neue Richtung einlassen möchte. Und ich bin geblieben.

life-science:  Welche Ihrer Tätigkeiten war für Sie am „exotischsten“?

Golob: Ein Jahr war ich im Management bei der „Steirischen Hagelabwehr“. Das war ein völlig anderes Metier mit den Piloten, Büro am Flughafen usw. Aber auch hier habe ich meinen naturwissenschaftlichen Hintergrund nutzen können, indem ich auch Forschungsanträge im Bereich Physik und Meteorologie ausgearbeitet und mit der technischen Universität zusammen gearbeitet habe.

life-science:  Welche Ihrer Kompetenzen, die Sie heute in Ihrem Beruf einsetzen, haben Sie während des Studiums gelernt und welche Fähigkeiten haben Sie sich während des Berufslebens angeeignet?

Golob: Eine schwierige Frage, da alles ineinander fließt und das Studium schon lange zurück liegt. Im Studium habe ich vernetztes Denken und Arbeiten gelernt. In Teams arbeiten und verschiedene Arbeitsmethoden anzuwenden, z. B. Clusterbildung.
Im Berufsleben habe ich mir Fähigkeiten aus verschiedensten Bereichen angeeignet – Mitarbeiterführung, Projektmanagement, Budgetierung und Kalkulation, mich mit verschiedenem Unternehmensformen  (OEG, GmbH., GmbH. & Co KG) befasst, sowohl mit Unternehmensgründung, -umstrukturierung oder auch -auflösung. Auch  juristische Themen und sowie Vertragswesen, Konfliktmanagement, Verhandlungstechnik, Fachthemen wie Landwirtschaftliche Fragestellungen, Kultur und Tourismusthemen, Bauabwicklung usw.

life-science:  Welchen Unterschied nehmen Sie bei Ihrer eigenen Arbeitsweise wahr. Wie hatten Sie unmittelbar nach Ihrem Studium gearbeitet und wie arbeiten Sie heute?

Golob: Das geht glaube ich schon aus der vorherigen Fragestellung hervor. Der Ansatz ist viel breiter geworden und spielt in die verschiedensten Fachbereiche hinein (BWL, Jus, Technik). Persönlich habe ich viel im Bereich der Kommunikation gelernt. Ich kann bei vielen Bereichen mitreden, das hilft enorm bei der Projektberatung und –beurteilung, aber auch im Umgang mit den MitarbeiterInnen und Partnern. Wichtig ist auch zu lernen, wie man mit den verschiedenen „Kundengruppen“ kommunizieren muss – die Medien brauchen Informationen völlig anders als Förderstellen oder Projektpartner.

life-science:  Sie waren einige Jahre selbstständig tätig. Biologen und Ökologen wählen häufig diese Form der Erwerbstätigkeit. Wer soll Ihrer Meinung nach die Selbstständigkeit ergreifen. Welche Fähigkeiten braucht man dazu?

Golob:  Als Selbständiger muss man risikobereit sein und neben den fachlichen Fähigkeiten auf jeden Fall wirtschaftliches Know how besitzen. Ein ständiges Engagement ist ebenso notwendig, wie Durchhaltevermögen, die Fähigkeit sich selbst zu motivieren und ein Überblick über die Marktsituation. Wenn jemand Probleme hat, auf Menschen zuzugehen und verschiedenste Typen zu akzeptieren, kann das schwierig in der Akquisition werden.
Bescheidenheit ist zwar angeblich eine Zier, hat aber in der Selbständigkeit nur bedingt Berechtigung. Vielmehr ist es notwendig, dass man seine Leistungen selbstbewusst präsentiert ohne überheblich zu wirken.

life-science:  Worin liegt Ihrer Erfahrung nach die größte Schwierigkeit in der Selbstständigkeit?

Golob: Das hängt davon ab, wo jemand seine Stärken und Schwächen hat. Ein guter Verkäufer hat womöglich Probleme in der Bearbeitung von Routineaufgaben während ein fachlich hoch qualifizierter Selbständiger seine Leistungen nur schwer bei den Kunden darstellen kann.

life-science:  Sie hatten sich nach mehreren Jahren in der Selbstständigkeit dafür entschieden, wieder ein Dienstverhältnis anzunehmen. Wären Sie heute wieder gerne selbstständig?

Golob: Ich bin von der Selbständigkeit nicht so weit weg. Der Vorteil der jetzigen Situation ist, dass man ein geregeltes Gehalt bekommt. Als Geschäftsführung ist man aber wie jeder Selbständige für das Unternehmen verantwortlich, muss verkaufen, Mitarbeiter leiten, Strategien entwickeln und ist mit seinem persönlichen Vermögen haftbar.
Ich schätze es sehr, selbständig Entscheidungen treffen zu können, ein Unternehmen zu leiten und weiterzuentwickeln. Aber wenn ich wie jetzt die Möglichkeit habe, ein fixes Einkommen und damit ein soziales Netz zu habe, möchte ich derzeit nicht tauschen.

life-science:  Worin liegen Ihrer Erfahrung nach die Unterschiede zwischen Selbstständigkeit und Dienstverhältnis.

Golob: Wie gesagt, ich bin zumindest für eine bestimmte Zeit finanziell abgesichert. Ich kann einiges an Verantwortung auf die Gremien (Aufsichtsrat, Generalversammlung) abwälzen, sofern ich korrekt arbeite. Ich werde von diesen Gremien allerdings auch genau beobachtet und bin ihnen verpflichtet. Das hat für mich aber auch den Vorteil, dass ich mir wichtige Schritte genau überlegen muss, damit ich eine Zustimmung dazu bekomme. D. h. ich kann zwar nicht alles frei entscheiden, aber ich bekomme ein feed back und muss daher vielleicht genauer planen und argumentieren, wie wenn ich alle Entscheidungen nur mit mir im stillen Kämmerchen ausverhandeln muss.

life-science:  Welche persönliche Erfahrung war für Sie die einschneidendste, die Sie auch gerne Ihren Kollegen/innen weiter geben möchten?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht so wichtig ist, was man studiert oder lernt. Wichtig ist, dass es mir Freude macht. Ich kann aus jeder Ausbildung Inhalte und Erkenntnisse mitnehmen, die mir bei der Arbeit helfen. Und keine Angst vor einem fachlichen Wechsel.

 Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.


CV
Ausbildung:
•    HBLA für wirtschaftliche Frauenberufe
•    Studium der Biologie/Botanik in Graz (in dieser Zeit Aufbau der interdisziplinären Plattform „Ökologisches Projekt Graz“)
•    Verschieden Fortbildungsmaßnahmen nach dem Studium (Wirtschaft, EDV, Projektmanagement, …)

Beruflicher Werdegang:
•    1989 Projektarbeit für das Amt der Kärntner Landesregierung (Kulturlandschaftsprogramme)
•    1990/91 Qualitätssicherung in der Lebensmittelindustrie
•    1991/93 Projektmitarbeit im Distelverein, Orth/Donau (Naturschutz-/Kulturlandschaftsprojekte, Öffentlichkeitsarbeit)
•    1993-1995 Projektleitung im Institut für Angewandte Ökologie, Klagenfurt (Kulturlandschafts- und Naturschutzprojekte)
•    1995/96 Steirischen Hagelabwehrverein
•    1996-2001 Selbständig als Geschäftsführerin des Büros für Ökologie und Landwirtschaft, Bogner&Golob OEG, Klagenfurt
•    2001-2006 Regionalmanagerin in Oberkärnten, Geschäftsführerin der Nockregion Regionalentwicklungs GmbH.
•    2000-2006 Lektorin am Institut für Geographie, Klagenfurt (Biotopkartierung, Landschaftsplanung)
•    Seit 2006 Geschäftsführerin der Regionalmanagement Kärnten Dienstleistungs GmbH.
•    Gerichtlich beeidete und zertifizierte Sachverständige für Naturschutz, Landschaftspflege und Botanik

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 29 März 2009 )
 
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