life-science
Der Sport hat dazu beigetragen, dass Mentaltraining in einer breiten
Öffentlichkeit diskutiert wird. Wofür kann Mentaltraining aller
eingesetzt werden?
Winkelhofer:
Mentaltraining lässt sich vielfältig einsetzen: Spannungen abbauen,
Energie mobilisieren, Schmerzen von Sportverletzungen lindern,
Motivation und Wettkampfleistungen steigern. Im Grunde kann man
Mentaltraining in allen Lebensbereichen einsetzen. Im Sport, im Beruf,
sowie in der Gesundheit. Mentaltraining wird im beruflichen sowie im
Privaten Leben sehr, sehr unterschätzt.
life-science
Was genau passiert bei Mentaltraining?
Winkelhofer:
Spitzensportler fahren z.B. die Abfahrt schon Tage vor dem Wettbewerb
in Gedanken durch. In einem Entspannungszustand (Alphazustand / Trance)
programmieren Sie sozusagen ihr Unterbewusstsein genau darauf hin, wie
sie ihr Ziel erreichen werden. Sie stellen sich lebhaft vor, was sie
erreichen wollen und fühlen sich auch so, als ob es schon Wirklichkeit
ist. Sie geben so dem Körper ein Modell vor, nach dem er arbeiten kann.
Je
genauer dieses Modell im Unbewussten ausgearbeitet wurde, umso genauer
kann der Körper es auch umsetzen. Dem Sieg steht somit nichts
mehr im Wege.
life-science
Heißt es, sich "die Welt schönfärben"?
Winkelhofer
Mentaltraining ist ein geistiges Training und wesentlich mehr als das
Antrainieren einer positiven Einstellung. Es hat nichts mit dem
Aufsetzen einer rosaroten Brille zu tun.
life-science
Wo liegt die Grenze zwischen, sich selbst unterstützender Autosuggestion und Manipulation?
Winkelhofer
Autosuggestion ist Manipulation und eines der wichtigsten Werkzeuge der
Selbstmotivation. Leider verstehen die wenigsten Menschen die Macht der
Autosuggestion (Manipulation) und wenden Sie aus Unwissenheit täglich
leider sehr oft schädigend an. Viele Menschen betreiben allein dadurch
negative Autosuggestion, indem Sie selbst negativ über sich und andere
Menschen denken oder reden. Sie entwerfen ein negatives Bild über sich
und die anderen und manipulieren sich selbst in eine negative Richtung.
life-science
Kann man sagen, wir finden nichts dabei, uns täglich negativ zu
manipulieren, aber werden skeptisch angesehen und als naiv eingestuft,
wenn wir optimistisch in die Zukuft blicken und den Menschen Vertrauen
entgegen bringen.
Winkelhofer
Wenn wir es mit der "negativen Brille" sehen
möchten, könnten wir es so sagen. Weitere Beispiele sind: "jetzt sind
wir in einer Krise, da ist es ganz schlecht
etwas Neues zu tun, anstatt zu sagen: jetzt sind wir in einer Krise,
jetzt ist die richtige Zeit etwas Neues zu tun!, oder statt: das kann
ich nicht, das klappt nie, wenn etwas schief geht, was werden da die
anderen sagen, das traue ich mir nicht zu, das schaffe ich nicht, ich
bin zu alt, zu jung, bin ein Frau, habe zu wenig Bildung usw. zu sagen
ich mache das und ich versuche so lange, bis ich es geschafft habe!"
Viele Menschen überlassen ihre Karriere noch immer dem Zufall. Sie
schätzen Sicherheit und lassen sich ungern auf etwas Neues ein.
Viele sind überzeugt, wir müssen nur mehr und angestrengter arbeiten,
um aus der Krise zu kommen. Aber mehr von demselben, was bisher nicht
funktioniert hat, wird auch keine besseren Ergebnisse bringen.
Erfolgreiche Menschen wissen, Sie müssen die Komfortzone verlassen, um
an neue, bessere Ziele zu gelangen. Nur wer bereit ist, etwas Neues zu riskieren, wird auch Besseres erlangen können.
life-science
Wenn die Wirkung von Mentaltraining so klar beobachtet werden kann, wie stark wird es im Alltag im positiven Sinne angewandt.
Winkelhofer
Leider viel zu wenig. Wenige Menschen betreiben
gezielte, selbstmotivierende und aufbauende Autosuggestion
(Selbstmotivation). Viele haben sogar Hemmungen mit sich selbst positiv
zu kommunizieren und können eine positive Autosuggestion kaum anwenden.
Zahlreiche Personen in meinen Seminaren sagen sogar, "nein das fühlt
sich komisch an, wenn ich zu mir selbst sage - ja das kann ich, ja das
wird klappen. Wenn es klappt, da werden mich die andern bewundern,
jetzt ist es für mich die beste Zeit, weil ich eine Frau/Mann bin,
schaffe ich das ganz leicht usw.
life-science
Woran kann es liegen, dass es nicht angewandt wird?
Winkelhofer
Vielleicht daran, da bisher dieses - sich selbst Positives zureden -
ein schlechtes Image hatte, im Sinne von "Eigenlob stinkt". Bei manchen
Menschen genießt Selbstzerfleischung wegen kleinster Missgeschicke eine
stärkere Akzeptanz und ist für sie bis heute eine
Selbstverständlichkeit. Gott sei Dank hat in der letzten Zeit schon ein
bedeutender Sinneswandel stattgefunden. Dazu haben unsere
Spitzensportler viel Pionierarbeit geleistet, wenn sie oder die
Reporter sagten: "die mentale Stärke hat über Sieg und Niederlage
entschieden". Meiner Einschätzung nach wird es jetzt in der
Wirtschaftskrise auch denen besser gehen, die die Nerven behalten und
mit mentaler Stärke die Entscheidungen treffen.
life-science
Mentaltraining wird sehr oft mit dem Slogan in Verbindung gebracht "Eigene Grenzen erweitern". Wie kann man sich das vorstellen.
Winkelhofer
Wie eingangs erwähnt - im Mentaltraining stellt man sich eine Situation
in der Zukunft vor, wie es sein wird, wenn man ein bestimmtes Ziel
erreicht haben wird. Es kann dabei durchaus ein Ziel sein, das für den
Betreffenden sehr groß ist und er/sie im Moment noch gar nicht weiß,
wie er/sie dieses Ziel erreichen wird. Zusätzlich lenkt man im
Mentaltraining seine Aufmerksamkeit auf die eigenen Stärken und
Potenziale und auch auf die Einstellung, die bisher das eigene
Verhalten geprägt hat. Dabei erkennt man oft, dass man sich die Grenzen
nur selbst im eigenen Kopf setzt. Im mentalen Training kann man diese
Grenzen gefahrlos überwinden. Man trainiert es so lange, bis man die
gedanklichen Blockaden aufgelöst hat, die genau genommen nichts anderes
sind, als eine falsche Vorstellung von der Realität.
Die eigenen Grenzen ausdehnen bedeutet auf jeden Fall die persönliche
Komfortzone zu verlassen und sich auf etwas Neues, Unbekanntes
einlassen.
life-science
Gilt dies auch für ein Bewerbungsgespräch?
Winkelhofer
Natürlich, ein Bewerbungsgespräch kann in der Tiefenentspannung
(Alphazustand / Trance) trainiert werden. Beim Bewerbungsgespräch haben
die KandidatInnen in erster Linie mit Angst und Nervosität zu kämpfen
und können dadurch ihre Inhalte nicht mehr so gut vermitteln.
Im Mentaltraining stellt man sich das Bewerbungsgespräch in Gedanken
vor. Man stellt sich vor, wie man das Büro betritt, wie man sich hin
setzt, wie man seine eigenen Stärken und Fähigkeiten vorstellt, wie man
interessiert über das Unternehmen nachfragt etc. Der Einzelne übt es so
lange, bis er hierbei keine Angst mehr spürt. Es kann jeder mutig eine
neue Strategie ausprobieren und auf der mentalen Ebene festigen. Wenn
er/sie ca. fünf Mal ein Bewerbungsgespräch "angstfrei" führen konnte,
wird sie sich beim realen Gespräch um 90% besser fühlen. Allein durch
dieses, sich besser, sicherer, angstfreier fühlen, kann sie ihre
Stärken und Potenziale besser rüberbringen. Der/die Bewerber/in wirkt
souverän und kompetent.
life-science
Mentale Stärke entscheidet über Sieg oder Niederlage.
Vielen Dank für das Gepräch.
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