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Donnerstag, 09 Februar 2012
 
 
Karibu Tanzania! | Drucken |  E-Mail





Image Suaheli für Anfänger - Eselsbrücken gefragt!

Nicht ganz so simpel gestaltete sich allerdings das anschließende Sprachtraining. Die hiesige Landessprache Suaheli, die die mehr als 120 verschiedenen Volksgruppen seit der Unabhängigkeit Tansanias im Jahr 1961 miteinander vereint, erinnerte uns leider an keine andere Sp rache, die wir in unserer bisherigen Laufbahn erlernt hatten. Und so war wir in unserem Fantasiereichtum zur Erfindung von Eselsbrücken beim Vokabellernen ziemlich gefordert. Dass sich die Mühe letztendlich gelohnt hat, zeigen uns die anerkennenden Gesten und erstaunten Blicke der Menschen, wenn wir uns mit ihnen in ihrer Landessprache – wenn auch ein wenig stolpernd - unterhalten.


Kleine Kredite - große Wirkung
Suaheli ist auch jene Sprache, die ich in meinem Arbeitsalltag als Beraterin in den nichtstaatlichen Organisationen AFREDA -Action for Relief and Development Assistance - und ICD -Information Centre on Disability - benötige. AFREDA setzt sich in verschiedenen Projekten für die Armut leidende Bevölkerung in ländlichen Gebieten ein - dazu zählen vor allem Frauen, Waisenkinder und von HIV/AIDS Betroffene. Durch gezielte Schulungen und Trainings, aber durch die Vergabe von Mikrokrediten werden die Menschen bei der Schaffung neuer Einkommensquellen unterstützt. Und die Erfolge sind durchaus beeindruckend: So liegen die Rückzahlungsraten bei Mikrokrediten - vor allem bei Frauen - bei über 90%, viele konnten sich so ein regelmäßiges und auch nachhaltiges Einkommen als HändlerIn oder HandwerkerIn schaffen.

Integration von Menschen mit Behinderung
Neben meiner Beratungstätigkeit bei AFREDA unterstütze ich seit Anfang dieses Jahres auch das Information Centre on Disability (ICD) - eine Partnerorganisation von AFREDA - in den Bereichen Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Organisationsentwicklung. ICD setzt sich seit mehr als zehn Jahren für die Rechte und die Integration von behinderten Menschen in Tansania ein und konnte durch zahlreiche Aufklärungskampagnen, Informationsinitiativen und Trainings in Gemeinden, Schulen und auch in politischen Riegen bereits einiges bewegen. Noch immer werden behinderte Menschen in Tansania vom alltäglichen Leben ausgeschlossen oder versteckt gehalten, und nicht selten stecken hinter solchen Praktiken traditionelle Überzeugungen, die seit Jahrhunderten fest in den Köpfen der Menschen verankert sind.

Behindertenwerkstätten präsentieren ihre Werke
Und mittlerweile kann das ICD einige erfreuliche Erfolge verzeichnen: So gibt es etwa in Dar es Salaam zahlreiche handwerkliche Unternehmen, die von Behindertengruppen betrieben werden. Die notwendigen Qualifikationen eigneten sich die Menschen in entsprechenden Kursen an, ein Kleinkredit ermöglichte den Start ins Wirtschaftsleben. ‚Victoria Disabled Scout’ nennt sich eine Gruppe körperbehinderter Menschen, die in ihrer eigener kleinen Werkstatt Kleidung, Tischdecken und Polsterbezügen aus Batik herstellen und diese Produkte erfolgreich am Markt und in verschiedenen Geschäften verkaufen. Für November des Jahres plant das ICD eine große Messe – präsentiert werden die Erzeugnisse der verschiedene n Handwerksgruppen – ideale Geschenke für Weihnachten also und eine weitere Einkommensquelle für die behinderten HandwerkerInnen!

Image Über Stock und Stein in die Projektgebiete

Meine Arbeit führt mich auch immer wieder in die entlegeneren ländlichen Gebiete, diese Projektreisen geben mir die Gelegenheit, Tansania abseits der Touristenpfade kennenzulernen. Ein Leben, das sich doch sehr von dem in der boomenden Vier-Millionen-Metropole Dar es Salaam unterscheidet. Die Anfahrten in diese Gebiete sind holprig und anstrengend, die Straßen in die Dörfer sogar für Allradfahrzeuge schwer zu bewältigen - die Gespräche mit der Bevölkerung vor Ort dann umso lohnender und bereichernder. Es kommen nicht oft Mzungus in die Dörfer, man wird von allen Seiten betrachtet und ausgiebig bestaunt. Insbesondere für Kinder stellen meine Haare und meine Haut immer wieder eine Quelle der Erheiterung dar. An den obligaten Fototermin mit den Dorfältesten werde ich mich allerdings wohl nie ganz gewöhnen.

Im Team voneinander lernen
Die Arbeit macht mir großen Spaß, nicht zuletzt deshalb, weil mir meine KollegInnen täglich vermitteln, dass ich ein integriertes Mitglied ihrer Organisation bin. Wir planen und organisieren gemeinsam Projekte und Vorgehensweisen und lernen voneinander – nicht zuletzt aufgrund der kulturell unterschiedlichen Zugängen, mit denen wir die täglichen Herausforderungen angehen. Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn ich erlebe, mit welch hohem Grad an Offenheit und Respekt sich die Menschen verschiedener Stämme und Religionen auch am Arbeitsplatz begegnen. Persönlichen Anliegen der MitarbeiterInnen wird viel Zeit und Raum gewidmet und Solidarität ganz selbstverständlich gelebt - so sammelt die Belegschaft etwa Geld, wenn es in einer Familie einen Todesfall gegeben hat.

Fingerfood-Technik: wie esse ich Bohnen mit Sauce?
Ich muss auch über mich selbst lachen, wenn die Menschen nach Feierabend in der Regenzeit völlig durchnässt aber mit einem Grinsen im Gesicht durch hüfthohes Wasser nachhause waten, während ich mich übe r einige Schlammspritzer auf meiner Hose ärgere. Andererseits haben sich meine KollegInnen mittlerweile an meinen hitzebedingten wöchentlichen Trinkwasserkonsum von mindestens zwölf Litern gewöhnt – und lächeln milde über meine missglückten Versuche, die traditionellen Bohnen in Sauce mit den Fingern zu essen. Blick in die Usambaras In diesem Sinn hoffe ich, dass ich hier in Tansania während meines Einsatzes einige Dinge bewegen und Fußabdrücke hinterlassen kann. Vielmehr aber glaube ich aus heutiger Sicht, dass mich die Erfahrungen, die ich in der Zusammenarbeit und im Zusammenleben mit den Menschen hier vor Ort machen darf, prägen werden und dass ich mit vielen wertvollen Erkenntnissen und neuen Perspektiven nach Österreich zurückkehren werde.

Claudia Digruber

 

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 23 September 2010 )
 
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