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Freitag, 18 Mai 2012
 
 
Bessere Notfallbeatmung durch besseres Verständnis von Medikamenten | Drucken |  E-Mail

Image Wenn PatientInnen nach Notfällen intubiert werden müssen, dann sind neben den Fähigkeiten der Ärztin / des Arztes auch die Medikamente entscheidend.
Praktische Forschung in diesem Bereich wird allerdings durch EU-Richtlinien massiv erschwert.

Univ.-Prof. Dr. Volker Wenzel (im Bild) und Univ.-Prof. Dr. Karl Lindner (Direktor der Innsbrucker Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin) treten für eine Erleichterung bei der Durchführung akademischer Studien ein.







Lebensgefährlich verletzte oder erkrankte PatientInnen (zum Beispiel nach einem schweren Verkehrsunfall oder Herzinfarkt) benötigen oft eine künstliche Beatmung. Bei der künstlichen Beatmung wird nach einer Narkose am Notfallort ein kleiner Schlauch durch den Mund der Patientin / des Patienten in die Luftröhre geschoben, um mit einem Beatmungsgerät Sauerstoff in die Lunge zu pumpen. Wenn das Vorschieben dieses Beatmungsschlauchs in die Luft­röhre nicht korrekt gelingt und so eine künstliche Beatmung scheitert, läuft die Patientin / der Patient große Gefahr zu ersticken weil sie / er durch die Narkose nicht mehr atmet. Daher hat eine sichere Narkose am Notfallort eine große Bedeutung, um die Erfolgswahrschein­lichkeit einer künstlichen Beatmung und damit die Überlebenschance wesentlich zu erhöhen.

Wichtige Erkenntnisse im Medikamentenvergleich
ForscherInnen in Frankreich haben nun das Schmerz-Medikament „Ketamin“ im Vergleich mit dem Einschlaf-Medikament „Etomidat“ untersucht, das sie 655 lebensgefährlich ver­letzten oder erkrankten PatientInnen im Rahmen einer Doppelblindstudie am Notfallort inji­ziert haben; die Studie ist in Europas führender Medizin-Zeitschrift „The Lancet“ veröf­fent­licht worden. Interes­santerweise konnten beide Medikamente eine künstliche Beatmung vergleich­bar gut vorbereiten, obwohl sie aufgrund ihres Wirkungsmechanismus sehr unterschiedlich sind- Ketamin erzeugt eine Art Trance-Zustand, während Etomidat eine Vollnarkose erzeugt. Entscheidender Unterschied ist jedoch, dass mit Ketamin die Patientin / der Patient weiter atmet, nach einer Injektion Etomidat jedoch nicht. Gibt es also Schwierigkeiten bei einer Notfallbeatmung, hat Ketamin durch die erhaltene Eigenatmung der Patientin / des Patienten eine höhere „eingebaute“ Sicherheit. Weiters hat Etomidat mehr als Ketamin die Reaktionsmöglichkeit der Nebenniere auf einen Schock abge­schwächt, was eine weitere Schocktherapie erschweren kann.

Hürden bei Non-Profit Studien
Auf Einladung der Herausgeber des „Lancet“ haben Univ.-Prof. Dr. Volker Wenzel und Univ.-Prof. Dr. Karl Lindner (Stv. Direktor und Direktor der Innsbrucker Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin in einem Editorial dazu geschrieben: „Wir wussten, dass die Erfahrung der Notärztin / des Notarztes bei einer Narkose am Notfallort extrem wichtig ist, um Menschenleben zu retten, aber dass eine einzige Injektion Etomidat am Notfallort die Schocktherapie im OP oder auf der Intensivstation negativ beeinflussen kann wussten wir nicht.“ „Leider“, so Wenzel weiter, „werden derartige Studien in Zukunft immer weniger werden, weil die Bürokratie der Europäischen Union akademische Studien in der Medizin enorm erschwert. Wir wollen mit pfiffigen Studien Menschenleben retten, aber die Europäische Union interessiert nur, ob wir die gleichen komplexen Regeln einhalten wie Global agierende Pharmafirmen in einer kommerziellen Zulassungsstudie.“ „Schon bald“, so Wenzel, „werden wir wie ÄrztInnen in Entwicklungsländern sein: Viele Fragen, wie wir die Versorgung der uns anvertrauten PatientInnen verbessern können, aber keine Möglichkeit, dies mit Studien zu beweisen.“

Kontakt
Prof. Dr. Volker Wenzel, M.Sc.
Medizinische Universität Innsbruck
Univ.-Klinik für Anaesthesie und Allg. Intensivmedizin
Anichstr. 35, 6020 Innsbruck
Tel +43 512 504-80430
Fax +43 512 504-6780430
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Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 12 August 2009 )
 
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