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Donnerstag, 09 Februar 2012
 
 
Women in Need | Drucken |  E-Mail

Image Annemarie Schneeberger - aus Niederösterreich stammende Betriebswirtin und Unternehmensberaterin - war für HORIZONT3000 drei Jahre und drei Monate lang im Amai Maria (Heilige Maria) Village im Einsatz. Finanzielle Unterstütztung erfährt das Personalentsendeprogramm von HORIZONT3000 durch Beiträge der Mitgliedsorganisationen und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA).

 


Improvisation angesagt

Als Annemarie Schneeberger im Juni 2005 in Simbabwe ankam, war das Dorf noch eine Baustelle. Die Gebäude - darunter auch das Verwaltungsgebäude – befanden sich im Stadium des Rohbaus, weder Trink- noch Abwassersysteme waren vorhanden. Somit wurde die Betriebswirtin auch gleich zur Bauaufsichtsleitung und kümmerte sich neben dem Aufbau des Alleinerzieherinnen-Projektes auch gleich um den des Dorfes selbst. „Da war natürlich jede Menge Improvisationstalent gefragt, unser Office mussten wir vorübergehend in einer Schule in Mutare unterbringen. Aber Ende des Jahres war es dann soweit – wir konnten ins Amai Maria Village übersiedeln,“ berichtet Annemarie Schneeberger.

Image Zentrum mit Dorfcharakter
Das Amai Maria Village hat Dorfcharakter, umfasst rund 40 Hektar Grund und befindet sich in einem Vorort der 150.000 Einwohnerstadt Mutare. Es verfügt über ein Bürogebäude, ein Veranstaltungsgebäude, eine Schule, einen Kindergarten, eine Getreidemühle und einen Hühnerstall. Weitere neun Doppelhäuser dienen als Wohnmöglichkeit für Angestellte und Kursteilnehmerinnen, die nicht in der Umgebung wohnen. Durch die Möglichkeit, zwei der Doppelhäuser und auch das Veranstaltungsgebäude zu vermieten, kann zusätzlich Einkommen geschaffen werden. „Die Frauen konnten in verschiedensten Kurzkursen Techniken und Fähigkeiten erwerben – sei es nun zum Thema Gemüseanbau, Buchhaltung, Marketing oder Nähen und maschinelles Stricken. Nach positivem Abschluss konnten die Teilnehmerinnen Geschäftspläne einreichen und damit um finanzielle Starthilfe für eigene kleine Projekte ansuchen – etwa zur Herstellung von Schuluniformen,“ erläutert Annemarie Schneeberger.

Erfolgreich wirtschaften bei Hyperinflation?
Als das Zentrum im Jahr 2006 seine Pforten öffnete, war die wirtschaftliche Lage im einstigen Hoffnungsland des südlichen Afrikas allerdings schon schwierig. Simbabwe hatte bereits einige Jahren Hyperinflation hinter sich und litt an einem eklatanten Mangel an Fremdwährung. „Das machte sich in zeitweiligen Strom- und Wasserabschaltungen bemerkbar und auch daran, dass lebenswichtige Nahrungsmittel nicht mehr überall in ausreichende m Maß erhältlich waren. Menschen verloren ihre Jobs, aber mit viel Organisationsaufwand und persönlichem Einsatz war noch Einiges machbar,“ so Schneeberger. So konnten die Infrastruktureinrichtungen im Zentrum weiterentwickelt, der Trainingsbereich in Betrieb genommen sowie kleinere Projekte gestartet werden. Doch bald schon wurden die kleinen Überschüsse, die die Frauen erzielten, durch inflationäre Effekte aufgefressen. Besonders schwierig wurde es, als zum Zweck der Inflationseindämmung Preiskontrollen auf alle Produkte eingeführt und mit Polizeigewalt umgesetzt wurden. „Innerhalb weniger Wochen waren die Geschäfte vollkommen leer und Produkte konnten entweder nicht oder nur mehr vollkommen überteuert am Schwarzmarkt gekauft werden.“

Beschaffungsprobleme an der Tagesordnung
Dies verursachte sowohl dem Zentrum als auch den Frauen mit ihren Projekten enorme Beschaffungsprobleme. Den Meisten blieb nichts anderes übrig als ihren Geschäftsgegenstand zu ändern und sich auf kleine Gelegenheitsarbeiten, so genannten „piece jobs“, wie zB Feuerholz zu verkaufen zu verlegen. „Flexibel zu sein, sich an die geänderten Rahmenbedingungen anzupassen, das wird auch bei uns in Österreich zunehmend propagiert, in Simbabwe nimmt das aber ganz andere, für uns kaum vorstellbare Dimensionen an,“ bedauert Schneeberger und erzählt weiter: „.Die Lage in den letzten Wochen hat sich noch mehr zugespitzt. Die offizielle Inflationsrate hat mittlerweile irrwitzige 231 Millionen Prozent erreicht. Wie die Leute unter diesen Umständen noch überleben können, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar.“

Hoffnung auf Veränderungen
Dennoch sieht Annemarie Schneeberger ihren Einsatz als positiv und gewinnbringend. „Die Infrastruktur des Amai Maria Village steht, die ersten Frauen konnten auch schon von den Schulungen profitieren und ihre eigenen Projekte starten. Sollte sich die politische und wirtschaftliche Lage zum Besseren wenden, kann jederzeit wieder im vollen Umfang gearbeitet werden“. Das Zentrum sei gegebenenfalls auch für andere Projekte und Vorhaben zu nutzen, verweist Schneeberger auf den Vorteil der multifunktional zu verwendenden Infrastruktur. „Angesichts des im Chaos der letzten Jahre stark in Mitleidenschaft gezogenen Bildungswesens, sind Zentre n wie das Amai Maria Village und gut ausgebildete Arbeitskräfte für die wirtschaftliche Sanierung des Landes dringend notwendig,“ stellt Annemarie Schneeberger abschließend fest.

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Letzte Aktualisierung ( Montag, 03 August 2009 )
 
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