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Sonntag, 05 Februar 2012
 
 
Norduganda: Breaking the Silence | Drucken |  E-Mail


Was war ausschlaggebend für deinen Entschluss, gerade in Norduganda zu arbeiten?

Ich habe mich bereits während meiner Ausbildung intensiv mit Frieden und Konflikten auseinandergesetzt. Norduganda war noch bis vor kurzem Bürgerkriegsgebiet, mehr als 90% der Bevölkerung lebten als Binnenflüchtlinge in Lagern. Durch meinen beruflichen Hintergrund war ich somit speziell an einer Arbeit in eben dieser Region in Uganda interessiert.

Worum geht es in dem Projekt Bosco?
Bosco steht für Battery Operated Systems for Community Outreach. Nach 20 Jahren Bürgerkrieg lebte ein Großteil der Bevölkerung zerstreut in Flüchtlingscamps, isoliert voneinander und auch vom Rest Ugandas. Durch den Zugang zu Information, verknüpft mit Computertrainings und modernen Kommunikationsmöglichkeiten soll der Wiederaufbau der Region unterstützt werden. Foren, Newsgroups, Wikispaces helfen dabei, den Menschen wieder eine Stimme zu geben.

Gibt es denn die dafür notwendige Infrastruktur?
Bis auf Gulu selbst - wo rund 100.000 Menschen leben - ist der Rest Nordugandas relativ wenig entwickelt: Es gibt keine Elektrizität, keine asphaltierten Straßen, Wasser wird vom Brunnen geholt und Landwirtschaft bedeutet praktisch zu 100% Handarbeit. Wir setzen daher auf Solarenergie, Computer mit besonders niedrigem Energieverbrauch und aufgrund der fehlenden Leitungen auf Wireless Internet und Voice over IP - Telefonie.

Was ist deine Aufgabe im Projekt?
Als ich hier ankam, wurde das Projekt ausschließlich von einer Person betreut - und das nur in Teilzeit. Mir war schnell klar, dass zum einen die Wartung und Instandhaltung der technischen Installationen anstand, zum anderen aber auch strategische Planung und Entwicklung. Ganz wichtig war es, zusätzliche Mitarbeiter einzuschulen, um das Projekt nachhaltig auszurichten. Also habe ich meine Arbeitszeit dementsprechend aufgeteilt. Mittlerweile haben wir mehrere Leute im Team, darunter einen Techniker, der schon sehr viele Agenden selbständig abwickelt.

ImageWie sieht denn nun ein typischer Arbeitstag von dir aus? Gibts den überhaupt?
Mein Tagesablauf ist relativ vielseitig und umfasst einerseit die Arbeit im Büro hier in Gulu - Besprechungen, Workshops zur Planung, Formulierung von Organisationspolicies, Kommunikation mit anderen Partnern. Aber sicherlich mehr als die Hälfte meiner Zeit verbringe ich in unseren Computerzentren in den ländlichen Gebieten. Da klettere ich dann auch schon mal auf Türmen und Dächern herum, um unsere technischen Anlagen zu betreuen. Dadurch komme ich viel in der Region herum und lerne auch Leute und deren Schicksale außerhalb der Stadt Gulu kennen.

Wie werden die Computerzentren von der Bevölkerung angenommen?
Eigentlich sehr gut, für viele Menschen sind die Benutzung eines Computers und des Internets ganz selbstverständlich geworden. Vor allem LehrerInnen tauschen sich mit KollegInnen in der weit entfernten Hauptstadt Kampala aus. Es gibt hier ja viel zu wenige Schulen für die zahlreichen Kinder - mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Norduganda ist unter 15 Jahre alt - was dazu führt, dass auf eine Lehrperson durchschnittlich mehr als 100 SchülerInnen kommen.

Da gibt es wohl auch viele jugendliche UserInnen?
Genau, sehr viel junge Menschen nützen das Angebot der Zentren, gerade die Verbindung von Computern und Internet bietet Zugänge zu bislang für viele hier völlig unvorstellbaren Möglichkeiten. Es ist für mich immer wieder eine Bestätigung, wenn junge Menschen hier voller Freude Emails schreiben, neue Freunde auf Facebook einladen, selbst Geschichten aus ihrem Leben und den Lagern erzählen oder aber auch ganze Schulbücher aus dem Internet runterladen. Denn Schulbücher sind hier auch nicht selbstverständlich.

Ist es nicht auch belastend, mit all diesen oft schweren Schicksalen konfrontiert zu sein?
Natürlich gibt es sehr viele bewegende und berührende Lebensgeschichten und obwohl mir die Schicksale der Menschen hier in Uganda nahegehen, braucht es meiner Meinung auch eine gewisse professionelle Distanz. Es wäre naiv zu glauben, dass eine Person oder ein Projekt die ganze Welt retten kann. Dennoch denke ich, dass meine Arbeit hier ihren Anteil leistet und so zu einer Gesamtentwicklung beiträgt.

Du verlängerst ja um weitere zwei Jahre, möchtest du in Uganda bleiben?
Nein, ich habe diesbezüglich keine Pläne, aber ich glaube, dass meine Mitarbeit derzeit noch notwendig ist. Wenn das Projekt soweit ist, dass es von den Menschen hier alleine betreut werden kann, dann kann ich gehen - das wird innerhalb der nächsten beiden Jahre der Fall sein.

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Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 16 September 2009 )
 
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