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Turnschuhe und Uniform als Bezahlung
Die Ausstattung eines Caregivers - das sogenannte ‚Home-Based-Care-Kit’- beinhaltet etwas Seife, einen Eimer, Handschuhe, ein Handtuch und - soweit verfügbar - auch ein paar Basislebensmittel und Medikamente, hauptsächlich Schmerzmittel. Damit gehen die frischgebackenen PflegerInnen in die Dörfer, wo sie an AIDS erkrankte Menschen versorgen, ein Caregiver kümmert sich um bis zu fünf Personen. Bezahlung gibt es keine, lediglich zweimal jährlich eine Fortbildung zu neuesten Erkenntnissen und Medikamenten für HIV/Aids, Malaria und andere ansteckende Krankheiten. Und nach einem Jahr ein Paar Turnschuhe und eine Art Uniform. „Die werden mit Stolz getragen,“ erzählt Nikola Fahrbach, „damit sind die Caregiver schon von weitem im Dorf als Freiwillige zu erkennen."
Kinderfamilien schlagen sich durch
SEVACA kümmert sich auch um AIDS-Waisen und Kinder, die einen Großteil ihrer Familienangehörigen verloren haben. "Viele haben keinerlei Verwandte mehr und schlagen sich gemeinsam mit anderen in sogenannten Kinderfamilien durch,“ schildert Nikola Fahrbach die triste Lage. Geld gibt es allerdings keines für die Arbeit mit den Jugendlichen und wenn einmal welches zur Verfügung steht, wird es in Lebensmittel oder Medikamente umgewandelt.
Aktivitäten für Kinder und Jugendliche - auch mit wenig Geld
„Aber unsere Field Officer sind dennoch recht aktiv mit den Youngsters,“ berichtet Nikola. Boas in Chikombedzi etwa - er befragt die Jugendlichen nach ihren Bedürfnissen und Erfahrungen und erzählt dann über sich selbst. Als 16jähriger wurde er Vollwaise und lebte bei immer anderen Verwandten, seine Schulausbildung konnte er aber trotzdem beenden, das war ihm wichtig. „Später merkte er, dass etwas mit seinen Augen nicht stimmte und so fing er an - über Hilfsarbeiten - Geld zu sparen und ging dann in Bulawayo in die Klinik, um sich eine Brille verschreiben zu lassen. Heute sagt er, sähe er wieder wunderbar und könne alles lesen,“ erzählt Nikola. Aber das wäre nun schon sieben Jahre her, seitdem konnte er sich keine Nachuntersuchung leisten, die wohl dringend notwendig wäre, wie sie hinzusetzt.
Tanzgruppe unterm Baum
Boas hat mittlerweile ein Fernstudium an der Uni von Zimbabwe begonnen und hofft, seinen Bachelor in Development Studies in zwei Jahren abzuschließen. „Die Jugendlichen sind von ihm begeistert und er bringt sie auf andere Ideen. Die meisten Jungs hier möchten Arzt werden, die Mädels Krankenschwester, sie wissen oft gar nicht, was es sonst noch alles gäbe. Boas schafft es immer wieder bei SEVACA für Jugendliche eine Ausbildung zum Tischler oder zur Näherin zu organisieren.“
Tendai, hat hingegen ein Händchen für jüngere Kinder. Ihre Tanzgruppen treffen sich regelmäßig unter dem Baum vor dem SEVACA Büro in Chikombezdi. Die Mädchen tanzen aus Leidenschaft und freuen sich über jeden Auftritt, den sie bekommen. „Mit einer Spende konnten wir Stoff besorgen, aus dem Tendai ihnen Röckchen nähte. Da war vielleicht was los, beim letzten Auftritt,“ lacht Nikola begeistert.
Ermutigung zum Weitermachen
Ein anderes Mal hatten sie Papier und Stifte bekommen; um Kinder an einem Malwettbewerb teilnehmen zu lassen. Aufgrund der politischen Ereignisse rund um die Wahlen und das damit verbundene Reiseverbot gelang es nicht mehr, die Bilder rechtzeitig einzuschicken. „Aber die Kinder haben bei Tendai unterm Baum dennoch tolle Bilder gemalt,“ erzählt Nikola. Und fügt nachdenklich hinzu: „Meine einzige Aufgabe in all diesen Programmen ist es, allen so viel Aufmerksamkeit zu schenken wie möglich, sie zu ermutigen, weiter zu machen und ihnen zu versprechen, dass ich wieder komme, um ihre Aktivitäten zu bewundern.“
Die MitarbeiterInnen von SEVACA schätzen es, wenn Nikola sie auf ihren Touren in die Dörfer begleitet. „So bekomme ich wirklich einen direkten Eindruck vom täglichen Leben, Leiden, Sterben, Hunger und Not. Die Menschen in den Orten wollen, dass man davon erzählt und, auch wenn es mir schon längst unangenehm ist, fordern sie mich auf, ein Foto von der sterbenden Frau zu machen, damit ich es der Welt zeigen kann.“
Aktualisieren von Virenprogrammen - ohne Internet
In Nikolas Arbeitsalltag sind meist andere Themen dominierend. „Ich kümmere mich um die Verbesserung der Finanz- und Verwaltungsabläufe und übe auch mit den MitarbeiterInnen am PC. Die systematische Ablage von Dokumenten, sei es nun in elektronischen Ordnern oder solchen aus Karton bleibt ein Dauerthema hier,“ schildert sie. Die Computer müssten regelmäßig von Viren befreit werden - ein schwieriges Unterfangen, ohne Internetzugang.
Brücke zwischen Geldgebern und SEVACA
Auch bei der Erstellung von Berichten an Geldgeber ist Nikola behilflich, gemeinsam mit den MitarbeiterInnen von SEVACA feilt sie an der Struktur der Reports und versucht, sie interessant aufzubereiten. „Ich bemühe mich, die Brücke zu bilden zwischen den großen Geldgebern und SEVACA als ‚Grassroot Organisation’.“ Direktorin Tsitsi und Nikola bilden ein perfektes Team. "Tsitsi bringt das Fachwissen und die Erfahrung der Basisarbeit mit, sie weiß wirklich genau, wovon sie spricht. Ihre Kompetenz kommt bei Geldgebern sehr gut an. Gemeinsam erarbeiten wir eine Strategie, um die Anträge optimal zu gestalten.“
Windpumpe oder Bushpump?
Oft gibt es auch Missverständnisse zwischen Geldgebern und Grassroot Organisationen. „Da hatten wir beispielsweise die Auflage eines Donors, für das Wasserbohrloch ein Windrad zu verwenden, damit die Frauen nicht so harte körperliche Arbeit verrichten müssten,“ erzählt Nikola. Die Frauen hingegen wollten lieber eine Handpumpe, da Ersatzteile für Windräder nicht zu bekommen sind. Die handbetriebenen Bushpumps hingegen könnten von den Dorfbewohnern selbst repariert werden. „Keiner traute sich etwas zu sagen, sie befürchteten, dass es kein Geld geben könnte für eine Handpumpe, da ja damit das ‚Gender-Ziel’ des Financiers nicht erreicht würde. Da die Geldgeber meist aus der westlichen Welt sind und wir dieselbe Sprache sprechen, kann ich solche Missverständnisse ansprechen und oft auch auflösen.“
Gemüse in Eimern
Für den Ausbau des Gemüsegartens hatte SEVACA einen Sponsor gefunden, der genaue Angaben zur letztjährigen Tomatenernte verlangte, in Kilogramm und auch eine Abschätzung, wie viele es denn in Zukunft sein würden. “Jetzt weiß aber keiner auf dem Land, was letztes Jahr war und was ein Kilogramm ist. Alle verkaufen heute Tomaten in ‚fünfer Häufchen’ oder ernten in ‚Eimern’.“ Der Geldgeber schlug vor, den Leuten eine Waage zu kaufen. Nikola schlug dem Geldgeber vor, Kalkulationen in ‚Eimern’ zu akzeptieren, die auch realistisch zu Papier gebracht werden konnten. „Unser Proposal mit ‚Gemüse in Eimern’ wurde letzt endlich akzeptiert und ich hoffe, der Donor wird nie wieder von einer Dorfgemeinschaft Angaben in Kilogramm verlangen.“
Info zum Projekt:
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Der Einsatz von Nikola Fahrbach wird im Rahmen des Personalprogramms von HORIZONT3000 mit 70% der Gesamtkosten von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit OEZA gefördert.
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