| Auch neuronale Schaltkreise "erinnern" sich | | Drucken | |
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Ein externer Stimulus, also z. B. ein Bild, das man sieht, wird in eine - und nur in eine - Abfolge von Nervenimpulsen umgesetzt. Das klingt plausibel. Diese lineare Beziehung galt bisher als Grundlage für die Analyse von neuronaler Informationsverarbeitung. Konkreter gesagt wurde angenommen, dass die neuronale Reaktion auf einen Sinnesreiz nur Informationen über genau diesen Reiz enthält und keine weitere. Folgen mehrere Sinnesreize aufeinander, erfolgt die Integration der Information auf höherer neuronaler Ebene. Dass dieses Dogma nun wankt, ist einer Gruppe von InformatikerInnen und NeurowissenschafterInnen der TU Graz und dem Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung zu verdanken.
Erinnerungswürdige Ergebnisse
Die Daten sind das Ergebnis eines anspruchsvollen experimentellen Designs. Bei diesem wurden parallele "live recordings" von ca. 100 Nervenzellen des Visuellen Cortex von Säugetieren direkt am Computer ausgewertet. Besonders interessierte das interdisziplinäre Team, bestehend aus Dr. Stefan Häusler, Prof. Maass und den Frankfurter Hirnforschern Dr. Danko Nikolic und Prof. Wolf Singer, wie die Information in den sogenannten "Spikes" - also kurzfristigen Anstiegen des elektrischen Membranpotenzials von Nervenzellen - kodiert wird. Dazu wurden neue Methoden der automatischen Mustererkennung verwendet. Wesentlich am Experiment war, dass die Spikes von zahlreichen Nervenfasern gleichzeitig gemessen wurden - erst so zeigten sich die relevanten Muster. Die genaue Analyse der Spikes aller 100 Nervenfasern ergab, dass die "Erinnerung" auf zwei verschiedene Weisen codiert wurde: in der Anzahl der Spikes und in ihrer zeitlichen Abfolge.
Wie rechnet das Gehirn? Insgesamt ergeben diese Ergebnisse einen ersten experimentellen Beweis für das von Prof. Maass gemeinsam mit HirnforscherInnen erarbeitete neue Modell für Rechenvorgänge im Gehirn, dem "liquid computing model". Dieses geht im Gegensatz zu bisher vorherrschenden theoretischen Modellen davon aus, dass "biologische Computer" nicht jede Information für sich in einem festen Zeittakt bearbeiten (wie an einem Fließband), sondern in kleinen Paketen, bestehend aus ineinanderfließenden und sich überlagernden Informationen aus verschiedenen Zeitabschnitten. Das "liquid computing" hat inzwischen bereits zahlreiche Anhänger in der technologischen Forschung gefunden. Man hat entdeckt, dass man auf diese Weise auch verschiedene Flüssigkeiten und Festkörper - bei denen ebenfalls äußere Einwirkungen nachschwingen und sich überlagern - zur Informationsverarbeitung ohne festen Zeittakt benutzen kann.
Wissenschaftlicher Kontakt:
Der Wissenschaftsfonds FWF:
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| Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 23 Dezember 2009 ) |
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