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Sonntag, 05 Februar 2012
 
 
Einsatz in Nord-Uganda | Drucken |  E-Mail
ImageEs ist noch dunkel um sechs Uhr morgens, aber an der Wasserstelle gegenüber meines Schlafzimmers reihen sich schon die Frauen auf, um Wasser zu schöpfen.
Es sind die Frauen - natürlich - , die bereits aktiv sind, während die meisten Männer noch schlafen. Aber sie sind fröhlich in der Morgenkühle. Endlich können auch sie voller Zuversicht dem neuen Tag entgegensehen.

Es schweigen nun die Waffen in dem brutalen Bürgerkrieg, der seit 1986 das Acholi-Land im Norden Ugandas destabilisierte. Normalität kehrt in den Alltag ein, auch wenn bisher kein offizielles Friedensabkommen zwischen den Rebellen der „Lord’s Resistance Army“ (LRA) und der ugandischen Regierung unterzeichnet werden konnte.

Drohende neue Konflikte
Mehr als 90% der Acholi, über zwei Millionen Menschen, wurden von der Regierung seit Mitte der 1990er Jahre gezwungen, in sogenannte „Schutz-Lager“ zu migrieren, wo sie ohne Rechte und Pflichten, ohne Arbeit und Einkommen, ohne ihre traditionellen Lebensformen einzig auf die Lieferungen des „World Food Program’ warteten. Nun sind die meisten wieder in ihre angestammten Dörfer zurückgekehrt. Aber schon drohen weitere Konflikte, diesmal um Landfragen, denn viele finden neue Besitzer auf ihrem angestammten Land vor, das traditionell nie in Grundbüchern registriert wurde.

Die Organisation HURIFO
Auf einem der Höhepunkte des Konfliktes gründete James Otto 1994 „Human Rights Focus“ (HURIFO), um die rechtlosen Menschen in den Camps zu unterstützen. Anfänglich der Kollaboration mit den LRA-Rebellen angeklagt, integrierte HURIFO führende Militärs in ihre Seminare und Kampagnen zu den Menschenrechten und konnten so die Soldaten für mehr Gerechtigkeit sensiblisieren. Neben kostenloser Rechtsberatung für mittellose Menschen und der Betreuung und den Trainings der momentan 604 von HURIFO ausgebildeten freiwilligen lokalen Rechtsberater, bedeutet die Landproblematik momentan die Hauptarbeit; ein kompliziertes Unterfangen und ein Balanceakt zwischen traditioneller Rechtssprechung und internationalem Recht.

HURIFOs Öffentlichkeitsarbeit
Der Visionär J. Otto möchte die Aktivitäten von HURIFO zur Verwirklichung der Grund- und Menschenrechte auf ganz Uganda ausweiten. Ein wichtiges Werkzeug auf diesem Weg ist die mediale Präsentation von HURIFO. Das Magazin „Examiner“ spiegelt die Aktivitäten von HURIFO wider, wird landesweit verteilt und ist per Internet abrufbar. Seit September 2009 besteht eine Partnerschaft mit HORIZONT3000, die zur Professionalisierung im Umgang mit und der Produktion von Medien dient. Finanziert wird dieser Personaleinsatz von der OEZA Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, der Dreikönigsaktion, der Katholischen Männerbewegung, der Katholischen Frauenbewegung, Caritas Öste rreich sowie Bruder und Schwester in Not – Diözese Innsbruck.

ImageHerausforderungen
Zu meinen Hauptaufgaben als Berater für Medien zählen unter anderem die Entwürfe und Produktionen von Video- Dokumentationen, die Aus- und Weiterbildung der MitarbeiterInnen von HURIFO in der Gestaltung verschiedener Medien, die Erweiterung bestehender Netzwerke, die Einrichtung von „Human Rights Clubs“ in Schulen, sowie die Organisation und Durchführung von Filmveranstaltungen und öffentlichen Diskussionen zu Themen der Menschenrechte – eine komplexe Herausfo rderung für die kommende Zeit. Glücken jedoch die richtigen Ansätze mit den richtigen Personen, so genügt oft ein „Anschieben“, um sich zur gegebenen Zeit als externer Berater überflüssig zu machen. Die KollegInnen von HURIFO sind jedenfalls voller positiver Energie und möchten an der Gestaltung ihrer Zukunft teilhaben.

Nach getaner Arbeit...
Am frühen Abend, wenn ich von der Arbeit zurück komme, reihen sich wieder lange Schlangen an der Wasserstelle auf, diesmal vorwiegend Mädchen und junge Frauen, um ihre Kanister zu füllen. Während ich im B üro - wie so viele Ugander heutzutage - die modernen Technologien nutzen kann, repräsentiert die Wasserstelle ein zeitloses Bild Afrikas. Und die Frauen lachen und sind zufrieden, loben die Reinheit und Qualität des Wassers und den sozialen Aspekt, denn hier werden Gerüchte und Neuigkeiten ausgetauscht.

Zuversicht
Für mich ist es schön, dass ich mich zwischen diesen Polen bewegen kann, und ich versuche mit meiner Anwesenheit einen sinnvollen Beitrag zu Frieden und Stabilität in dieser Region zu leisten. Ich glaube, dass besonders diese kleinen Projekte, die kaum jemand von aussen wahrnimmt, wichti ge Elemente in in diesem Prozess darstellen. Deshalb hoffen wir alle, dass Organisationen wie HORIZONT3000 an ihrer Politik – trotz ökonomischer Krise, neuer Trends und Reformen – festhalten, und auch weiterhin solche kleineren Projekte wie HURIFO im Sinne von Gerechtigkeit, Frieden und Nachhaltigkeit begleiten und unterstützen werden.

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Letzte Aktualisierung ( Freitag, 19 März 2010 )
 
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