Die Entwicklung und Produktion eines völlig neuartigen Kopierpapiers ist
Wissenschaftern der Montanuniversität Leoben gelungen. Das synthetische Papier auf
Basis von Biopolymeren entspricht nicht nur in Aussehen und Funktion dem gewohnten
Produkt, sondern weist durch seine Wasserresistenz und auch in ökologischer Hinsicht
etliche Vorteile auf.
„Herkömmliches Papier auf Zellstoffbasis ist ein bewährtes Produkt, die dafür benötigten Rohstoffe
wie Holz und Wasser sind jedoch nicht in jeder Region im gleichen Ausmaß verfügbar“, erklärt Prof.
Dr. Stephan Laske vom Institut für Kunststoffverarbeitung der Montanuniversität Leoben. So hatte in
den vergangenen Monaten als Folge des Erdbebens in Chile und des dadurch entstandenen
Zellstoffengpasses auch Europas Papierindustrie ihre Kapazitäten drosseln müssen. „Synthetisches
Kopierpapier auf Basis nachwachsender, polymerer Rohstoffe wäre da eine Alternative, aber das
Material muss auf Grund der Vorgänge beim Bedrucken und den Anforderungen im Gebrauch hohen
Ansprüchen genügen. So muss z.B. für den Einsatz in einem Laserdrucker eine kurzzeitige
Temperaturstabilität zwischen 180°C und 200°C gegeben sein. Des Weiteren muss das synthetische
Papier ökologische (z.B. geringere Umweltbelastung) und ökonomische (z.B. geringere
Investitionskosten) Vorteile bieten“, betont Laske.
Im Zuge seiner Dissertation in Kooperation mit dem Polymer Competence Center Leoben (PCCL)
gelang es Laske, einen Prozess zur Herstellung von synthetischem Papier auf Basis
nachwachsender, polymerer Rohstoffe zu entwickeln, dessen industrielle Umsetzung durch den
Rückgriff auf existierende Technologien sehr schnell möglich wäre.
Drei Schichten für beste Qualität
Das neuartige „Kunststoff-Papier“ besteht aus drei Schichten, wobei die beiden hochgefüllten
Deckschichten die haptischen, optischen, thermischen und mechanischen Eigenschaften
übernehmen. Eine geschäumte Mittelschicht dient vor allem zur Gewichts- und damit Preisreduktion.
„Die größte Schwierigkeit bei der Verwendung von PLA (polylactic acid, Polymilchsäure) für
Druckprozesse mittels Lasertechnologie ist die kurzfristige Temperaturbelastung von bis zu 200°C in
der Fixiereinheit“, erläutert Laske. „Um das vorzeitige Anschmelzen der PLA-Matrix zu verhindern,
wurden die Deckschichten mittels energiereicher Strahlung vernetzt. Dadurch wird die Kristallisation
behindert, und das Material erhält einen amorphen Charakter.“
Ein die Forschung abschließender Test zeigte die einwandfreie Bedruckbarkeit des synthetischen
Papiers. „Verwendet wurde dabei ein herkömmlicher Laserdrucker, der mit ca. 190°C fixiert und dabei
das Papier mit ca. 50 mm/s durch den Drucker befördert“, so Laske. „Es wurden alternierend ein
Referenz- und ein synthetisches Papier bedruckt und miteinander verglichen. Dabei konnte bezüglich
der Druckqualität kein wesentlicher Unterschied erkannt werden. Im Gegenteil war die Haftung des
Toners am synthetischen Papier sogar besser.“
Bessere Ökobilanz
Für das neue Produkt wurde auch eine Ökobilanz nach ISO 14044 durchgeführt und die Lebenszyklen
eines herkömmlichen und eines synthetischen Papiers verglichen. Die Ergebnisse zeigten, dass das
synthetische Papier bei Miteinbezug des Recyclings ökologische Vorteile bietet. Diese Vorteile werden
noch ausgeprägter, wenn man Faktoren, die das neue Produkt bevorzugen (z.B. CO2-Speicherung
des Maisfeldes oder Herstellung von PLA aus sekundären Pflanzenstoffen) auch berücksichtigt.
Weitere Informationen:
Prof.Dr. Stephan Laske
Institut für Kunststoffverarbeitung der Montanuniversität Leoben
Tel.: +43 (0) 3842 402 – 3506
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Öffentlichkeitsarbeit:
Erhard Skupa
Montanuniversität Leoben
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