logo
paar.jpg
Home arrow Karrieretipps arrow Ärzteversorgung vor dem Herzinfarkt?
Freitag, 10 September 2010
 
 
Ärzteversorgung vor dem Herzinfarkt? | Drucken |  E-Mail

Image Die Universitäten sind überfüllt, die Studienplätze beschränkt aber in den Kliniken mangelt es an Fachärzten für Psychiatrie, Anästhesie, Neurologie um einzelne Beispiele anzuführen.

MMag. Peter Grill vermittelt Mediziner in Österreich, Deutschland und der Schweiz und sucht nach Ärzten im gesamteuropäischen Raum.

life-science Karriere Services traf MMag. Grill zu einem Interview.


life-science: Sie vermitteln im gesamten deutschsprachigen Raum. Unterscheidet sich das österreichische Ärztewesen von dem anderer europäischer Länder?

MMag. Grill: Der größte Unterschied ist sicher nach wie vor das Turnussystem. Während in Deutschland Universitätsabgänger sofort mit der Facharztausbildung beginnen, müssen die österreichischen Kollegen zuerst 3 Jahre Turnusarzt absolvieren. Damit verlängert sich die Ärzteausbildung bereits um 3 Jahre. Auch die Facharztausbildung dauert in Österreich 6 Jahre, mit Zusatzfach plus weitere 3 Jahre. Ergibt in Summe 9 bzw. 12 Jahre ab Studienende. In Deutschland kann die Facharztausbildung inklusive einem Zusatzfach in 6 Jahren absolviert werden. Damit dauert es in Österreich doppelt so lang, bis man eine Facharztausbildung mit Zusatzfach abgeschlossen hat. Ein weiterer Unterschied liegt im Betreuungsverhältnis bei der Facharztausbildung. In Österreich bildet 1 Facharzt 1 Assistenzarzt aus und in anderen Ländern kann das Verhältnis 1 Facharzt : 3-4 Assistenzärzten sein.

life-science: Welche Auswirkungen zeigt dies in Österreich?

MMag. Grill: Österreichische Universitätsabgänger drängen nach Deutschland, da sie dort rascher Facharzt werden. Allerdings haben sie dann Schwierigkeiten bei der Rückkehr. Es kann sein, dass eine Facharztausbildung aus Deutschland in Österreich nicht anerkannt wird, muss aber nicht sein.

life-science: Gibt es so etwas wie einen Ärztemangel?

MMag. Grill: Es gibt einen Ärztemangel in Österreich und in Deutschland. Zwar kaum bei den Turnusärzten oder Assistenzärzten, allerdings bei Fachärzten und hier insbesonders in Kliniken, die nicht in Ballungsräumen sind. In Deutschland hat sich durch bessere Tarifverträge für die Ärzte die Situation mittlerweile etwas entspannt. Die Tendenz der deutschen Ärzte, abzuwandern, geht leicht zurück.

life-science: Derzeit ist die Diskussion um den Turnus entfacht, wie beurteilen Sie diese?

MMag. Grill: Gespalten – es sind sicher mehrere Facetten und Interessen zu beachten. Österreich hat durch das 3-jährige Turnussystem eine ausgezeichnete Ärzteausbildung, wenn nicht sogar weltweit die beste, zum Wohl der Patienten. Weiters darf auch nicht außer Acht gelassen werden, dass Turnusärzte sehr hoch qualifiziert aber noch nicht so hoch dotiert sind und damit eine wesentliche Säule in unserem Gesundheitssystem darstellen. Die Problematik liegt sicher darin, dass wir mit diesem System nicht konkurrenzfähig sind und Gefahr laufen, qualifizierte Jungmediziner an andere Länder zu verlieren. Österr. Jungärzte drängen nach Deutschland. Hierzulande wird das vormals gute Turnussystem immer mehr zur Barriere für interessierte Ärzte aus dem Ausland.

life-science: Wie könnte man dem Ärztemangel begegnen?

MMag. Grill: Eine Möglichkeit wäre eine weitere Medizinische Universität. Allerdings würde dieses Modell erst in 15-20 Jahren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt der Ärzte zeigen. Ein weiterer Weg wäre mehr Praxis während der Ausbildung und dafür den Turnus zumindest etwas verkürzen. An der Medizinischen Universität Wien wird bereits während des Studiums mehr Praxis gefordert.

life-science: Ärzte absolvieren bereits eine sehr lange medizinische Ausbildung. Gibt es neben den medizinischen Kompetenzen noch weitere Zusatzqualifikationen, die gefragt sind?

MMag. Grill: Kommunikationsthemen in ihrer gesamten Breite. Sie werden teilweise bereits im Studium berücksichtigt, können aber sicher noch weiter ausgebaut werden. Die technischen Gerätschaften werden immer komplizierter und komplexer. Jedes Gerät ist anders zu bedienen. Es ist laufende Weiterbildung notwendig. Nicht zu vergessen die Managementfähigkeiten. Sie sind Voraussetzung für die Position als Primararzt. Diese Ausbildungen werden von ärzteeinschlägigen Anbietern offeriert.

life-science: Die Ausbildung dauert lang. Warum soll jemand Arzt werden?

MMag. Grill: Viele Ärzte sehen Ihren Beruf als Berufung an. Sie interessieren sich für medizinische Themenstellungen, haben Interesse, etwas zu bewirken, helfen zu können. Der Verdienst ist sicher auch sehr gut, zwar noch nicht während der Ausbildung aber danach.

in zwei Wochen folgt die Fortsetzung des Interviews mit Herrn MMag. Ing. Peter Grill!

Image Zur Person:

MMag Ing. Peter Grill ist Gründer und Geschäftsführer von GRPconsult MMag. Peter Grill, das sich ausschließlich auf die Vermittlung von Fachärzten spezialisiert hat.
Eigene Erfahrung im Personalmanagement einer Klinik sammelte Grill im Klinikum Wels. Davor war er mehrjährig Personalleiter in der Industrie. MMag. Peter Grill vermittelt Mediziner im deutschsprachigen Raum.

 

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 16 Juli 2010 )
 
< zurück   weiter >
Advertisement   Partnerlinks
Google
Veranstaltungen
6. - 10. September Systematic Reviews to Support Reimbursement Decisions and Evidence Based Medicine

13. September Meeting Pairing and Propagating -

16. September Mensch, Du hast dich verändert,..

20. September bis 14. Oktober Lehrgang: Management von Forschungs- und Entwicklungsprojekten

27. September Academia Meets Business

Tipp des Tages
Kehren Sie in Ihrem Lebenslauf (CV) jene Tätigkeiten hervor, die für den angestrebten Job besonders interessant sind.
 
 
     
Top!
Top!