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Samstag, 04 Februar 2012
 
 
Mediziner auf Abwegen | Drucken |  E-Mail

Image Nicht jeder, der Medizin studiert, wird auch Arzt.

So auch nicht Dr. Robin Rumler, Geschäftsführer der Pfizer Austria GmbH , Präsident der Pharmig und des Pharma Marketing Clubs Austria.
"Die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitsverhalten der Bevölkerung, anstehende gesetzliche Reformen und kommunikationspolitische Neuerungen werden unsere Branche verändern. Menschen, die zu diesem Änderungsprozess beitragen können und wollen, werden ungeahnte Möglichkeiten haben sich einzubringen. Die Pharmaindustrie wird enorm an Bedeutung gewinnen."  (Rumler)

Dr. Rumler im Gespräch mit DI Gisela Zechner, life-science Karriere Services


life-science: Herr Dr. Rumler, Sie hatten Ihre berufliche Laufbahn klassisch mit dem Ziel, ein erfolgreicher Arzt zu werden, begonnen, aber sich  entschieden, dem Arztberuf den Rücken zu kehren.

Dr. Rumler: Während meines Turnus hatte ich ein „Ausbildungsloch“. Ich nützte die Zeit, bewarb mich beim Pharmaunternehmen Cilag und bekam einen Job in der Medizinischen Abteilung. In dieser Funktion betreute ich klinische Studien, schulte Pharmareferenten und beriet das Marketing. Kongressreisen und Meetings rundeten meine Arbeit ab und ich war Feuer und Flamme für den Job. Ich wusste wirklich nach kürzester Zeit – die Pharmaindustrie ist „meins“ – hier möchte ich bleiben.

life-science: Wie ging es danach weiter? 

Dr. Rumler: Nach Cilag kam ich zu Zeneca wurde Produktmanager und arbeitete gleichzeitig als Klinikreferent. So konnte ich auch direkt meine Strategien testen und anpassen. Vor allem das arbeiten im Außendienst hat mir Riesenspaß gemacht. Ich blieb 3,5 Jahre und war im letzten Jahr Verkaufsleiter des Hospitalteams. Im Anschluss war ich 6 Jahre Business Unit Director bei Sanofi und danach wurde ich Marketing Direktor bei Pfizer. Seit 1,5 Jahren fungiere ich bei Pfizer als Geschäftsführer und als Director der Primary Care Business Unit.

life-science: Hatten Sie sich durch Ihren Wechsel in die Industrie öfter gedacht, das Studium war eine verlorene Zeit, das Wissen, das Sie sich damals angeeignet hatten, können Sie in Ihrer aktuellen Tätigkeit nicht verwenden und das, worauf es für Sie jetzt ankommt, müssen Sie sich nachträglich aneignen?

Dr. Rumler: Nicht einen Tag habe ich gedacht mein Studium war umsonst! Der absolute Vorteil mit dem Medizinstudium: du weißt genau was der Kunde will und du interagierst mit dem Arzt immer als Kollege. Natürlich muss man dafür als Mediziner in der Pharmaindustrie vor allem Wirtschafts- und Finanz Know How dazu lernen.

life-science: Wie beurteilen Sie die beruflichen Chancen für Mediziner in der Industrie? Wer soll Ihrer Meinung nach, im Anschluss an ein Medizin Studium eine Karriere in der Wirtschaft anstreben?

Dr. Rumler: Leute mit Interesse für die Pharmaindustrie, mit Interesse an Teamwork und dem Willen in einem Wirtschaftsunternehmen seine Expertise auch wirklich einbringen zu wollen, haben gute Chancen. Auch ein guter Kommunikator sollte er/sie sein. Der Mediziner kann sich – wie beschrieben – in vielerlei Hinsicht einbringen.

ife-science: Welche Kompetenzen sind in Ihrer aktuellen Position die Schlüsselqualifikationen? Wann und wie kann man sich diese angeeignen?

Dr. Rumler: Kurz gesagt General Management Know How. D.h. man sollte möglichst viel Erfahrung aus verschiedenen Bereichen von der Medizin bis zur Finanz und vom Personalwesen bis zum Marketing und Sales-Bereich einbringen. Einiges kann man sich in der Ausbildung aneignen, das meiste durch „Learning by doing“. Und wichtig: niemand kann alles können – deshalb sollte man auch vernünftig delegieren können, bei Stress nicht gleich die Nerven verlieren und vor allem immer den Überblick bewahren.

life-science: Ich kenne Sie als jemanden, der über den Tellerrand hinaus blickt. Was wird Ihrer Einschätzung nach in Zukunft die größte Chance für die Pharmaindustrie werden?

Dr. Rumler: Der Pharmamarkt der Zukunft wird dynamischer denn je sein. Die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitsverhalten der Bevölkerung, personalisierte Medizin, anstehende gesetzliche Reformen und kommunikationspolitische Neuerungen werden unsere Branche verändern. Menschen, die zu diesem Änderungsprozess beitragen können und wollen, werden ungeahnte Möglichkeiten haben sich einzubringen. Die Pharmaindustrie wird enorm an Bedeutung gewinnen.

life-science: Sie sind Präsident des Pharma Marketing Club Austria und gleichzeitig der PHARMIG, dem Dachverband der Pharmaindustrie. Warum ist das Image der Pharmaindustrie nicht besser?

Dr. Rumler: Gesetzliche Auflagen beschränken die Kommunikationsmöglichkeiten der Pharmaindustrie und dadurch haben wir zu wenig an Aufklärungsarbeit über unsere Leistungen und Erfolgen getan. Wir sind heute damit intensiv beschäftigt diesem Informationsmanko entgegenzuarbeiten. Es ist geplant, dass wir alle jeder einzelne Mitarbeiter der Industrie, in Zukunft aktiv und vermehrt über die Leistungen der Pharmaindustrie berichten wird. Und da gibt’s genug Gutes zu berichten.

life-science: Wie wird sich die Pharmaindustrie als Dienstgeber weiter entwickeln?

Dr. Rumler: Eine boomende Branche wird besonderes Augenmerk auf die Kompetenz seiner Mitarbeiter legen, um sich weiterzuentwickeln. Das macht die Pharmaindustrie bereits heute beispielgebend. Die Branche wird auch in Zukunft viel von seinen Mitarbeitern verlangen – aber man wird auch sehr viel zurückbekommen.

life-science: Worauf möchten Sie in 5 Jahren stolz sein?

Dr. Rumler: Dass meine Arbeit nachweislich Sinn gemacht hat. Für mein Unternehmen, die Branche und mich selbst.

life-science: Vielen Dank für das Gespräch

Das Gespräch führte Gisela Zechner

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 20 Oktober 2010 )
 
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