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Samstag, 04 Februar 2012
 
 
Im Dienst der Öffentlichen Gesundheit | Drucken |  E-Mail
Image Univ. Prof. Dr. Marcus Müllner
Internist mit Zusatzausbildung Notfallmedizin war am AKH Wien als Oberarzt tätig. Bereits während seiner Ausbildung erwarb er sich beim British Medical Journal Kenntnisse im Medizinjournalismus. Interessierte sich für Design und Analyse von Klinischen Studien, absolvierte ein Fernstudium an der London School of Hygiene and Tropical Medicin. War als National Expert on Secondment bei der Europäischen Arzneimittelagentur in London tätig. 2005 übernahm Dr. Müllner die zum damaligen Zeitpunkt neu zu schaffende Österreichischen Arzneimittelagentur, AGES PharmMed, und leitet diese bis heute.


life-science Karriere Services: Herr Dr. Müllner, die AGES PharmMed gibt es seit 1. Jänner 2006 und Sie leiten diese von Anfang an. Welches Unternehmensziel verfolgt die AGES PharmMed?

Dr. Marcus Müllner: Die AGES PharmMed ist die nationale Arzneimittelagentur, die für die Zulassung von Arzneimitteln, der Genehmigung von Klinischen Prüfungen mit Arzneimitteln und Medizinprodukten, der Pharmakovigilanz (Sammeln und Bewerten von eingehenden Nebenwirkungsmeldungen), der Gewebe- und Hämovigilanz sowie dem Inspektionswesen von Arzneimitteln, Blut, Gewebe, Suchtmitteln und Medizinprodukten zuständig ist.  Ferner fällt die Medizinproduktesicherheit und -marktüberwachung in unseren Verantwortungsbereich.

Unsere Vision ist es, eine der führenden Arzneimittelagenturen in Europa zu sein. Davon leiten sich unsere Unternehmensziele ab: Festigen unserer Position in Europa, Zeitgerechte Erledigung aller Verfahren bei hoher wissenschaftlicher Qualität, Ausbau der Pharmakovigilanz und der Medizinproduktesicherheit und schließlich die öffentliche Gesundheit zu sichern.

life-science Karriere Services: Services: Welche Studienrichtungen sind bei der AGES PharmMed besonders gefragt?

Dr. Marcus Müllner: Gemäß unserer Aufgabenbereiche sind selbstredend alle naturwissenschaftlichen Studienrichtungen (Pharmazie, Biologie, Chemie, Biotechnologie, Veterinärmedizin) willkommen und natürlich sind Humanmediziner in besonderem Maße gefragt, da sie kraft ihres Studiums viel Vor- und „Anwenderwissen“ zu Arzneimitteln und Medizinprodukten mitbringen.

life-science Karriere Services: Mit welche Aufgaben sind AkademikerInnen und im besonderen MedizinerInnen in Ihrem Haus konkret betraut?

Dr. Marcus Müllner: Sie finden Beschäftigungsfelder in der Arzneimittelsicherheit, der –zulassung und in wissenschaftlichen Aufgabenbereichen, wie der wissenschaftlichen Beratung und der Klinischen Prüfung. Die Hauptaufgabe ist die Begutachtung von eingereichten Unterlagen zur Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneimitteln, Blut, Geweben und Medizinprodukten. Wir führen in unseren Labors auch selbst Analysen durch und bewerten diese. Viele unserer FachexpertInnen sind auch in europäischen Gremien und Arbeitsgruppen tätig, wo sie die österreichische Arzneimittel- und Medizinprodukteagentur vertreten.

life-science Karriere Services: Welches Ausbildungsniveau sollen die MedizinerInnen mitbringen?

Dr. Marcus Müllner: Medizinstudiumabsolventen, Fachärzte, Ärzte mit Turnus (teilweise oder mit jus practicandi)

life-science Karriere Services: Wie sieht es mit Karrieremöglichkeiten? Läuft ein/e AkademikerIn Gefahr, wenn er/sie sich einmal für die AGES PharmMed entschieden hat, dann muss er/sie dort bleiben, egal ob er/sie noch Aufstiegschancen hat oder nicht, da das hier erworbene Know How  nirgendwo anders verwendet werden kann?

Image Dr. Marcus Müllner: Ich denke, dass die Karrieremöglichkeiten aufgrund unseres breiten Aufgabenfeldes innerhalb der AGES PharmMed ebenso gegeben sind, wie national in Gesundheitseinrichtungen, EU-weit und auch international. Unsere Fachexperten erfüllen naturgemäß Aufgaben der öffentlichen Gesundheit, arbeiten also nicht mit individuellen Patienten. In der klinischen Praxis wird man durch klinische Erfolge und die Zufriedenheit von Patienten unmittelbar belohnt. Das gibt es bei uns leider nicht, aber, was man gut macht, nützt mit einem Schlag sehr vielen Menschen – Tausenden bis Millionen. Das gilt natürlich auch für die Fehler, die man macht.
Das Fachwissen, das in der AGES PharmMed erworben wird, ist sehr speziell und unsere MitarbeiterInnen sind nicht nur bei anderen Zulassungsbehörden, sondern auch bei EU-Gesundheitsbehörden und natürlich der Pharma-Industrie willkommen. Seit unserem Bestehen haben einige Mitarbeiter in die Industrie gewechselt, wie auch wir Experten von dort übernommen haben.

life-science Karriere Services: Sie sind selbst Internist mit Zusatzausbildung Notfallmedizin und waren als Oberarzt im AKH tätig – warum haben Sie dem Arztberuf den Rücken gekehrt?

Dr. Marcus Müllner: Ich bin der Meinung, dass man danach trachten sollte, nicht stehen zu bleiben, sondern sein erworbenes Wissen mannigfach einzusetzen und neuen Fertigkeiten und Möglichkeiten offen gegenüber zu treten. So kam es, dass ich mich schon während meiner Ausbildung ein Jahr karenzieren ließ, um beim Britisch Medical Journal Kenntnisse im Medizinjournalismus zu erwerben. Ich habe mich auch während meine Zeit an der MUW zunehmend für das Design von klinischen Studien und deren Analyse interessiert und war während und nach meinem Fernstudium and der London School of Hygiene and Tropical Medicine (Epidemiologie und Statistik) an der MUW als klinischer Epidemiologe tätig. So bin ich immer mehr in die öffentliche Gesundheit „gerutscht“ und habe bemerkt, dass der große Hebel – im Sinne des größtmöglichen Nutzens - dort viel eher zu finden ist, als in der individuellen Patientenbetreuung. Später war ich als National Expert on Secondment, als Statistiker, bei der Europäischen Arzneimittelagentur in London tätig. Von dort bin ich dann 2005 zum Leiter der zu dem Zeitpunkt neuzuschaffenden Österreichischen Arzneimittelagentur berufen worden. Diese Funktion ist ideal für mich, um mein medizinisches Fachwissen und meine Managementfähigkeiten für die öffentliche Gesundheit einzusetzen.

life-science Karriere Services: Wenn Sie aus Ihrer Erfahrung heraus die Tätigkeit als Arzt mit jener als Bereichsleiter der AGES PharmMed vergleichen, worin sehen Sie die wesentlichen Unterschiede?

Image Dr. Marcus Müllner: Aus der Nähe betrachtet ist der Unterschied zwischen der oberärztlichen Führung einer Notaufnahme für 24 Stunden und der österreichischen Arzneimittelagentur kein sehr großer: Man muss sich für alles verantwortlich fühlen, darf den Überblick nicht verlieren und muss seinem Team vertrauen. In der Weitläufigkeit der Tätigkeit und der Langfristigkeit des Handelns besteht natürlich schon ein Unterschied. Als Bereichsleiter bin ich „Manager über die Zeit“, als Notfallmediziner war ich „Manager der Minute“ – dort musste ich in kurzer Zeit, mit wenigen Informationen über lebenserhaltende und oft invasive Maßnahmen entscheiden. In der AGES PharmMed muss ich langfristig planen und strategische Schritte setzen, die das Unternehmen in eine möglichst krisensichere Zukunft führen. In der Notfallmedizin entschied ich für einzelne Patienten; in der AGES PharmMed hingegen muss ich Entscheidungen treffen, die aus Managementsicht das Leben und die Zukunft von fast 400 Personen und aus Fachsicht das Leben von Tausenden oder Millionen EU-Bürger beeinflussen können.

Vielen Dank für das Gespräch.

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 20 Oktober 2010 )
 
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