Starke Motivation trifft auf Marktpotenzial
"Häufig ist es das Umfeld, welches den Gedanken an eine eigene Gründung auslöst. Gründer berichten uns, dass es ihnen um die Verwirklichung von eigenen Ideen geht, sein eigener Chef zu sein und vieles mehr. Neben einer starken Motivation muss aber frühzeitig die Chance, aus der Idee auch tatsächlich einen kommerziellen Erfolg zu machen, gut ausgelotet werden. Konkret sind der Kundenbedarf und der Trend im identifizierten Marktsegment zu klären. " (Rauhofer)
life-science Karriere Services: Jeder kennt den Mediziner, der sich als Arzt niedergelassen hat und seine eigene Praxis führt. Im Grunde ist jede Arztpraxis ein eigenständiges Unternehmen. Gibt es darüber hinaus auch noch andere Wege, über die Mediziner zu Unternehmer werden?
DI Michael Rauhofer: Eine Arztpraxis zu betreiben ist bereits ein gutes Beispiel für eine unternehmerische Tätigkeit. Es müssen Mitarbeiter geführt werden, Investitionsentscheidungen getroffen werden und zumindest eine Einnahmen / Ausgaben Rechnung erstellt werden.
Etwas komplexer wird es, wenn das Unternehmen ev. ein Produkt entwickelt, Schutzrechtsstrategien umsetzt, produziert und vermarktet. - Jetzt ist ein klares Geschäftskonzept von Nöten, um die Chancen einer Unternehmensgründung beurteilen zu können.
life-science Karriere Services: Können Sie dazu Beispiele nennen?
DI Michael Rauhofer: Da gibt es doch einige: z.B. die Biomay AG, an deren Geburt Univ.Prof. Dr. Rudolf VALENTA von der Med. Uni. Wien maßgeblich beteiligt war, entwickelt Lösungen für Allergien; die Trimed Biotech GmbH, wo sich Dr. Felzmann vom St. Anna Kinderspital engagiert, entwickelt Medikamente für Krebskrankheiten; die Oridis Biomed F&E GmbH wurde von Univ. Prof. Dr. Kurt Zatloukal von der Med. Uni. Graz mitgegründet und ist Spezialist in Gewebedatenbanken und Krebstherapieentwicklung. Und nicht zuletzt sind auch durch die INiTS zwei Mediziner bei der Gründung begleitet worden: Ao. Univ. Prof. Dr. Wilhelm Behringer von der Notfallmedizin an der Med. Uni. Wien, der an der Entwicklung von Körperkühlelementen für Rettungsfahrzeuge der EMCOOLS AG mitgewirkt hat, und Univ. Prof. DDr. Werner Mohl, der mit seinem Team eine Methode zur Behandlung von Herzinfarktpatienten entwickelt und deren Firma Miracor Medical Systems vor kurzem durch Clinica’s Medtech Intelligence, einem der international führenden Informationsquellen der Medizintechnik Branche, aufgrund der Marktchancen, aber auch der Investoren und des Management Teams zum ‘Hot Pick of the Month’des Juni 2010 gewählt wurde. In Summe weltweit sichtbare Beispiele.
life-science Karriere Services: Unter welchen Voraussetzungen kann/soll ein Mediziner mit dem Gedanken spielen, sein eigenes Unternehmen zu gründen?
DI Michael Rauhofer: Häufig ist es das Umfeld, welches den Gedanken an eine eigene Gründung auslöst. Gründer berichten uns, dass es ihnen um die Verwirklichung von eigenen Ideen geht, sein eigener Chef zu sein und vieles mehr. Neben einer starken Motivation muss aber frühzeitig die Chance, aus der Idee auch tatsächlich einen kommerziellen Erfolg zu machen, gut ausgelotet werden.
life-science Karriere Services: Wie sieht dabei der erste Schritt aus?
DI Michael Rauhofer: Überprüfen Sie die vielen Annahmen, auf der die ersten Visionen fußen. Konkret sind der Kundenbedarf und der Trend im identifizierten Marktsegment zu klären. Danach stellt sich die Frage, ob die eigene (oder lizensierte) Technologie die Basis einer Problemlösung sein kann? Dritter Punkt Ist die Überprüfung, ob die Kombination aus Markt und Technologie für den Betreffenden selbst spannend ist und er überzeugt ist, andere die in das Gründerteam kommen sollen, begeistern zu können.
life-science Karriere Services: Gibt es bei den Unternehmen, die von Medizinern gegründet werden spezifische Problem- und Fragestellungen, die in erster Linie diese Unternehmen betreffen?
DI Michael Rauhofer: Sobald man im Bereich Medizin von Produktentwicklung - egal ob Medizintechnik oder pharmazeutische Produkte - spricht, kommt man um die Fragen der Zulassung durch die zuständigen Behörden nicht herum. Damit einhergehend sind das große Entwicklungsrisiko - die allermeisten Produktkandidaten bleiben auf der Strecke und werden nie vermarktet - sowie der große Finanzbedarf sicher die wichtigsten Themen, bei denen sich diese Unternehmen von den meisten anderen Branchen unterscheiden. Das mag in der Medizintechnik und bei Produkten zur Diagnose teilweise nicht so schlagend sein, dafür spielt hier oft die enorme Interdisziplinarität - Medizin, Materialwissenschaften, Mechatronik, Informatik, …- eine große Rolle. Natürlich sind Themen wie Erstattung durch Sozialversicherungen wichtig und speziell bei Medizinern sind ethische Fragen groß geschrieben.
life-science Karriere Services: Sie sprechen den hohen Finanzierungsbedarf an. Wie realisiert ein Mediziner diese Investition?
DI Michael Rauhofer: Unternehmensgründungen, deren Basis neue Technologien sind, haben allgemein einen höheren Finanzierungsbedarf als Geschäftsprozessinnovationen oder Dienstleistungsunternehmen. In Österreich sind UnternehmensgründerInnen in der vorteilhaften Situation, dass die Agenturen FFG, aws und in kleinerem Ausmaß die AplusB Zentren Mittel zur Verfügung stellen, um speziell technologisch anspruchsvolle, wachstumsorientierte Gründungsvorhaben zu unterstützen.
life-science Karriere Services: Ein Unternehmen zu gründen und vor allem zu führen braucht vermutlich mehr als medizinisches Fachwissen. Welche Kompetenzen sind sonst noch notwendig?
DI Michael Rauhofer: Erkennen der eigenen Kompetenzen und Rollen die man im neuen Unternehmen einnehmen kann. Hat man diesen zumeist emotionalen Schritt geschafft, leiten sich viele Entscheidungen ab. zB. Wer soll die kaufmännischen Agenden verantworten, ist Vertrieb Sache des Gründers? Soll das Unternehmen über das Gründerteam hinaus wachsen können, ist es wichtig frühzeitig die geeigneten Strukturen zu schaffen. D.h. der Gründer wird ev. nicht Alleingeschäftsführer sein und damit riskieren, dass seine Kernkompetenz als Mediziner nur mehr zeitlich eingeschränkt in die Produkte und Dienstleistungen fließt, da kaufmännische oder organisatorische Belange seine Zeit beanspruchen.
Vielen Dank für das Gespräch?
DI Michael Rauhofer ist Geschäftsführer von INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH. Seit 2002 bietet INiTS Beratung und Unterstützung für JungunternehmerInnen mit innovativen Ideen. Ihr Service richtet sich an AbsolventInnen, MitarbeiterInnen und StudentInnen der Wiener Universitäten und Fachhochschulen, die durch eine Unternehmensgründung ihre Geschäftsidee verwerten möchten. INiTS fördert Innovationen aus den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnik, Life Science und anderen Forschungsbereichen.
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