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Freitag, 18 Mai 2012
 
 
Wissenschaft mit entrepreneur spirit | Drucken |  E-Mail

Image Kleines Land mit bunter Forschungslandschaft

Heute ist eine Generation am Werk, die auch stark an die Anwendung von Forschungsergebnissen denkt, die keine Berührungsängste mit der Öffentlichkeit und mit der Wirtschaft hat, die sogar so etwas wie „entrepreneurial spirit“ hat. Das gab es vor 20 Jahren – abgesehen von den echten Pionieren - fast nicht. Was auch auffällt ist, dass Forschung in Österreich heute sehr international geworden ist.(Kugler)

life-science Karriere Services: Herr DI Kugler, Sie haben das Studium der Lebensmittel- und Biotechnologie absolviert und man würde Sie jetzt viel eher irgendwo in einem Labor erwarten als in der Redaktion einer führenden Tageszeitung. Wie kamen Sie zum Journalismus?

DI Martin Kugler:  Durch Zufall. Ich habe zufällig ein Inserat gesehen, in dem die „Presse“ zu einer Lehrredaktion einlädt. Da hab ich mir gedacht: Das ist spannend. Also hab ich mich beworben – und wurde glatt genommen. Seit nunmehr zwölf Jahren lässt mich der Journalismus nicht mehr los. In welchem anderen Job hat man auch die Möglichkeit, täglich etwas Neues zu erfahren?

life-science Karriere Services: Wie wichtig ist für Sie der fachliche Hintergrund? Brauchen Sie das Wissen aus dem Studium heute noch?

DI Martin Kugler:  Der fachliche Hintergrund ist für mich extrem wichtig. Ich zehre jeden Tag von dem Wissen, das ich an der Boku gelernt habe. Was ich aus heutiger Sicht am meisten daran schätze, ist die immense Breite der Ausbildung: von Chemie und Biologie über technische Fächer bis hin zu den Grundlagen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

life-science Karriere Services: Sie waren am Beginn Ihrer journalistischen Tätigkeit im Wirtschaftsressort. Woher nahmen Sie die wirtschaftliche Kompetenz?

DI Martin Kugler:  Die Grundlagen habe ich an der Boku gelernt. Nach Abschluss des Studiums habe ich – auch um die Wartezeit bis zum Zivildienst sinnvoll zu überbrücken – das damalige Aufbaustudium Betriebs-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der TU Wien studiert. Das habe ich leider nicht abgeschlossen, da die Tätigkeit als Journalist einfach zu viel Zeit erfordert. Mir haben nur mehr zwei Prüfungen und die Diplomarbeit gefehlt – dann wurde aber der Studienplan geändert und das Aufbaustudium schließlich aufgelassen. Ich profitiere aber bis heute sehr davon. Auch ohne Abschluss.

life-science Karriere Services: Was ist bei der journalistischen Arbeit die größte Herausforderung?

DI Martin Kugler:  Im Wissenschaftsjournalismus gibt es zwei wesentliche Herausforderungen: Erstens ist es im wahrsten Sinn des Wortes Übersetzungsarbeit – nämlich von der wissenschaftlichen in eine Alltagssprache, ohne dass man dabei zu viel an Exaktheit einbüßt. Die zweite Herausforderung ist die Einschätzung neuer Forschungsergebnisse und Trends: Wie wichtig ist das für die Gesellschaft? Wird eine Entwicklung nur gehypt – oder ist wirklich was dran?

life-science Karriere Services: Sie sprechen Trends und Enwicklungen an.  Wir beurteilen Sie die heutige Forschungs- und Innovationsszene in Österreich, wenn Sie sie mit der Forschung und Innovation vor 15, 20 Jahren vergleichen?

DI Martin Kugler:  Heute ist eine Generation am Werk, die auch stark an die Anwendung von Forschungsergebnissen denkt, die keine Berührungsängste mit der Öffentlichkeit und mit der Wirtschaft hat, die sogar so etwas wie „entrepreneurial spirit“ hat. Das gab es vor 20 Jahren – abgesehen von den echten Pionieren - fast nicht. Was auch auffällt ist, dass Forschung in Österreich heute sehr international geworden ist. Da ist gut so.

life-science Karriere Services: Als Journalist beobachten Sie täglich die Wissenschafts- und Forschungsszene. Wie sehen Sie die österreichische Wissenschafts- und Forschungsszene im internationalen Vergleich?

DI Martin Kugler:  Die österreichische Forschungsszene ist sehr sehr bunt. Es vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht von einem Forschungsprojekt erfahre, von dem ich bisher noch überhaupt nichts gehört hatte. Diese Breite ist aber gleichzeitig eine Schwäche Österreichs: Als kleines Land können wir uns nicht alles leisten. Da müssen schon Schwerpunkte gesetzt werden – schließlich geht es dabei auch um viel Steuergeld.

life-science Karriere Services: Wenn Sie über Unternehmen oder Forschungseinrichtungen berichten, bekommen Sie dann den Wunsch, doch wieder inhaltlich, fachlich zu arbeiten?

DI Martin Kugler:  Manchmal denke ich mir: Ja, das ist spannend, das würde ich auch gerne machen. Aber dann kommt relativ rasch der Gedanke, dass ich mich dazu spezialisieren müsste. Und was ich an meiner jetzigen Tätigkeit besonders schätze ist die ungeheure Breite: von geisteswissenschaftlichen Themen bis hin zur harten Technik.

life-science Karriere Services: Wie attraktiv finden Sie den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Österreich?

DI Martin Kugler:  In vielen Bereichen ist er offenbar attraktiv. Wenn in bestimmten Themenfeldern viele ausländische Spitzenkräfte zu uns kommen und auch internationale Konzerne Interesse haben, hier zu investieren, dann zeigt das, dass die Qualität nicht so schlecht sein kann. Die Rahmenbedingungen haben sich stark verbessert – hoffen wir, dass das trotz Budgetkonsolidierung so bleibt.

life-science Karriere Services: Welche Herausforderungen sehen Sie auf Forschung und Innovation zukommen? Welche kritischen Punkte zeichnen sich Ihrer Meinung nach ab?

DI Martin Kugler:  Das sind viele. Am wichtigsten sind wohl die finanzielle Bedeckung der Forschung und die Internationalisierung. Allein kann heute niemand mehr bahnbrechende Entdeckungen machen. Das geht nur im Zusammenspiel mit den Besten der Welt. Die Konkurrenz wird jedenfalls immer größer.

life-science Karriere Services: Welche Bedeutung messen Sie den aufstrebenden Ländern Indien und China bei? Wie verändern diese Länder die Landschaft von Forschung und Innovation?

DI Martin Kugler:  Allein schon die Zahl an Absolventen ist imposant. China, in manchen Themenbereichen auch Indien, werden eine viel wichtigere Rolle in Forschung und Innovation spielen. Das ist unvermeidbar – und das sollte auch aktiv genutzt werden: durch stärkere Kooperation, auch und gerade mit österreichischen Unternehmen, die in ihrer jeweiligen Nische am Weltmarkt erfolgreich sind. Auch die Universitäten müssen darauf reagieren und ihre Kooperationen viel globaler aufstellen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Letzte Aktualisierung ( Montag, 27 September 2010 )
 
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