Die Welten von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik verbinden
Bei all meinen beruflichen Stationen war es für mich eine Voraussetzung, dass ich mich mit meiner Arbeit voll und ganz identifizieren kann. Sehr wichtig für die Qualität eines Berufes sind meiner Ansicht nach auch zahlreiche gestalterische Freiheiten und ein entsprechendes Maß an Eigenverantwortung.(Zeppelzauer)
life-science Karriere Services: Herr Zeppelzauer, Sie haben in Ihrem Lebenslauf von der Forschung im Labor, über Beratung und Management sowie Öffentlichem Dienst, Selbstständigkeit bis zum Großkonzern ein sehr breites Spektrum an Tätigkeiten und Dienstgebern kennen gelernt. Was macht für Sie die Qualität einer Arbeit aus?
DI Claus Zeppelzauer: Jeder verbringt sehr viel Zeit in seinem Berufsleben und an der Arbeitsstätte – daher muss die Arbeit vor allem Spaß machen sowie herausfordernd sein. Voraussetzung dafür war - und das gilt natürlich auch für meine derzeitige Tätigkeit - bei all meinen beruflichen Stationen, dass ich mich mit meiner Arbeit voll und ganz identifizieren kann. Sehr wichtig für die Qualität eines Berufes sind aber meiner Ansicht nach auch zahlreiche gestalterische Freiheiten und ein entsprechendes Maß an Eigenverantwortung.
life-science Karriere Services: Womit beschäftigen Sie sich heute?
DI Claus Zeppelzauer: Bei ecoplus beschäftige ich mich mit der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung von Niederösterreich. Als Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich leistet ecoplus einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Wertschöpfung für die niederösterreichischen Unternehmen. In meinem Bereich „Unternehmen und Technologie“ arbeite ich mit meinem Team an dem vorrangigen Ziel, die Innovationskraft in Niederösterreich zu steigern und das Bundesland künftig noch stärker als ein attraktives Technologieland zu positionieren.
life-science Karriere Services: Wie realisieren Sie das?
DI Claus Zeppelzauer: Ich leite den Bereich Unternehmen & Technologie zu dem die Geschäftsfelder Cluster Niederösterreich, Technopolprogramm Niederösterreich und Internationalisierung gehören. Mit den Clustern stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit vor allem durch überbetriebliche Zusammenarbeit in innovativen Projekten. Dadurch verbessert sich die wirtschaftliche Wertschöpfung der Betriebe und die internationale Positionierung der NÖ Wirtschaft.
Im Rahmen des Technopolprogramms wird die Entwicklung von Forschungsprojekten sowie der Auf- und Ausbau von Kompetenz unterstützt. Dazu forcieren wir die Kooperation von Forschungs- und Bildungseinrichtungen mit der Wirtschaft. Wir treiben eine nationale und internationale Positionierung voran und führen eine technologiefeldorientierte Standortentwicklung an den Technopolen Krems, Tulln und Wiener Neustadt durch.
ecoplus Internationale wiederum unterstützt niederösterreichische Unternehmen bei der Erschließung neuer Auslandsmärkte, speziell im CEE Raum.
life-science Karriere Services: Sowohl beim Cluster als auch beim Technopol geht es um Innovation, Technologietransfer und Vernetzen. Was unterscheidet sie dennoch voneinander?
DI Claus Zeppelzauer: Ein Technopol ist laut unserer Definition ein fixer Ort, an dem in einem spezifischen Technologiefeld sowohl Forschung, Bildung als auch Wirtschaft in einer kritischen Masse vorhanden sind. Derzeit gibt es in NÖ drei Technopole: Technopol Krems, Technopol Tulln und Technopol Wiener Neustadt.
Ein Cluster ist hingegen ein flexibles und innovatives Netzwerk in Stärkefeldern, die für Niederösterreich spezifisch sind. Dieses Netzwerk besteht aus Unternehmen - die sich sowohl ergänzen als auch konkurrieren können, aus relevanten Forschungs-, Entwicklungs- und Qualifizierungseinrichtungen sowie der öffentlichen Hand.
life-science Karriere Services: Welche Entwicklungen sind bei diesen Technopolen in der nächsten Zeit zu erwarten?
DI Claus Zeppelzauer: Jeder der drei Technopole befindet sich in einem anderen Entwicklungsstadium. Am Technopol Wiener Neustadt werden derzeit, neben allen anderen Aktivitäten, 3 Projekte aus dem Kompetenzzentrenprogramm COMET umgesetzt, Ein K2 Zentrum zum Thema Tribologie, ein K1 Zentrum im Bereich Oberflächentechnik und ein K1 Zentrum im Bereich innovativer Medizintechnik. Der Technopolmanager in Wiener Neustadt hat dadurch ein anderes Aufgabespektrum als zum Beispiel der Technopolmanager in Tulln. Ab 2011 siedelt sich am Technopol Tulln das Universitäts- und Forschungszentrum Tulln an (Departments der BOKU und ein Bereich des Austrian Institute of Technology). Dort wird der Schwerpunkt mehr bei der Projektentwicklung liegen. Am Technopol Krems wird derzeit die Akquisition von Firmen vorrangig betrieben.
life-science Karriere Services: Was leisten Sie konkret dabei?
DI Claus Zeppelzauer: Ich bin für die Umsetzung und Zielerreichung des Technopolprogramms verantwortlich. Gemeinsam mit den Technopolmanagern und in Abstimmung mit der Abteilung Wirtschaft, Tourismus und Technologie des Amts der NÖ Landesregierung, die der Auftraggeber des Programms ist, werden Strategien für die einzelnen Standorte entwickelt und umgesetzt.
life-science Karriere Services: Wodurch unterscheidet sich Niederösterreich von den anderen Bundesländern?
DI Claus Zeppelzauer: Niederösterreich entwickelte sich in den letzten Jahren von einer Randlage am Eisernen Vorhang hin zu einer innovativen Region im Herzen des neuen Europa. Das Wirtschaftswachstum in Niederösterreich fiel durch die Erweiterung der EU stärker aus, als es ohne die Erweiterung der Fall gewesen wäre: Seit 2002 ist Niederösterreich stärker gewachsen als der Österreich Durchschnitt – das Wirtschaftswachstum war im Schnitt in Niederösterreich um einen Prozentpunkt besser. Außerdem hat kein anderes Bundesland die Hauptstadt Wien so nahe. Auch davon profitiert der Standort Niederösterreich, der mit Lebensqualität und einer sehr guten Infrastruktur ausgestattet ist.
life-science Karriere Services: Für Ihre heutige Tätigkeit brauchen Sie Kommunikationsfähigkeit, Diplomatie, Organisationsfähigkeit, Verhandlungsgeschick, Wirtschaftliches Know-how etc. Welchen Stellenwert hat das fachliche Know-how aus Ihrem Studium?
DI Claus Zeppelzauer: Aufgrund meines Studiums kenne ich die analytische Denkweise der Forscher. Das hilft mir auch bei der Entwicklung des Technologielandes Niederösterreich weiter. Auch wenn konkrete fachliche Fragestellungen wie zu meiner Studienzeit immer seltener werden, hilft mir das damals erworbene Wissen dennoch oftmals weiter.
Es erleichtert mir, fachliche Zusammenhänge zu verstehen und fachliche Notwendigkeiten zu erkennen. Die unterschiedlichen Welten von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu verstehen und zu verbinden.
life-science Karriere Services: Würden Sie dieses Studium heute wieder wählen? ja/nein - Warum?
DI Claus Zeppelzauer: Die Wahl auf Lebensmittel- und Biotechnologie ist damals zufällig gefallen. Ich würde dieses Fach heute aber wieder inskribieren. Die Themenbereiche und Inhalte des Studiums sind derartig vielschichtig und interessant, dass es neugierig auf mehr macht.
Worin sehen Sie den stärksten Unterschied zwischen einem Berufseinsteiger und jemandem mit Berufserfahrung?
DI Claus Zeppelzauer: In der Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichen Situationen und Aufgabenstellungen, speziell in heiklen Augenblicken. Wer bereits die unterschiedlichsten Situationen erlebt und Erfahrungen gesammelt hat, der tritt mit wesentlich mehr Sicherheit auf. Der kann Vorkommnisse nach ihrer Bedeutung besser beurteilen und Einschätzen. Weiß in der Regel besser, worauf es ankommt.
life-science Karriere Services: Welche Erfahrung möchten Sie anderen Kollegen/innen weitergeben.
DI Claus Zeppelzauer: Jeder muss seine Erfahrungen selbst machen, aber immer neugierig und aufgeschlossen bleiben und von Zeit zu Zeit eine persönliche Standortbestimmung durchführen. Und niemals gute Tipps geben…..
Vielen Dank für das Gespräch
DI Claus Zeppelzauer studierte Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur, Wien (Sponsion 1998) und sammelte seine ersten beruflichen Erfahrungen neben dem Studium in der medizinischen Forschung am AKH sowie bei Sandoz und Novartis. Nach dem Studium leitete er eine Kleinbrauerei und beriet Mikrobrauereien bei der Produktentwicklung. Danach arbeitete er für eine internationale Beratungsagentur für Produktivitätssteigerung und das Management einer Forschungsabteilung. Nach einem kurzen Sidestep in die Selbstständigkeit ist Claus Zeppelzauer seit 2004 bei ecoplus NÖ Wirtschaftsagentur*) und verantwortet heute als Bereichsleiter für Unternehmen und Technologie rund 50 MitarbeiterInnen.
*) ecoplus ist die Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich und versteht sich als Schnitt- und Servicestelle zwischen Wirtschaft und Politik, Unternehmen und Verwaltung, Investoren und Initiatoren regionaler Projekte – national und international. www.ecoplus.at
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