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Dienstag, 22 Mai 2012
 
 
build! Business Idea Lab and Develompment Kärnten | Drucken |  E-Mail

Chancen und Risken bei der Unternehmensgründung

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Frau Mag. Ibovnik, build! Business Idea Lab and Develompment Kärnten
Eigene Ideen umzusetzen und sich dadurch selbst zu verwirklichen, sein/e eigene/r Chef/in zu sein, seine Arbeitszeiten flexibel gestalten zu können, die Entscheidungen in der eigenen Hand zu haben und die Möglichkeit zu haben nach einigen Jahren ein gut funktionierendes Unternehmen mit einigen Mitarbeitern/innen in die Welt gesetzt zu haben – das sind Argumente, die für ein eigenes Unternehmen sprechen.

life-science: Als Unternehmer/in muss man bereit sein, Risiken einzugehen. Wie schätzen Sie das Risikoverhalten erfolgreicher Unternehmer/innen ein, zeigen diese eine höhere Risikobereitschaft? Brauchen Unternehmer/innen so etwas wie eine Spielernatur oder wäre das genau das Verkehrte?

Mag. Ibovnik: Eine Person, die es immer gescheut hat ein Risiko einzugehen – oder auch einfach Entscheidungen zu treffen, die größere Auswirkungen haben – wird es als Unternehmer/in nicht einfach haben. Andererseits besteht bei der risikofreudigen Spielernatur die Gefahr, dass schlussendlich "alles verspielt" wird. Es geht bei dem/der erfolgreichen Unternehmer/in sicher oft darum, etwas zu riskieren – aber immer mit der nötigen kaufmännischen Vorsicht im Hintergrund. Marktchancen entdecken, Risiken realistisch einschätzen, die ersten Schritte am Markt setzen – all diesen Tätigkeiten müssen fundierte Analysen vorausgegangen sein um das Risiko so gering wie möglich zu halten. Das Risiko einer Entscheidung wird der/die Unternehmer/in jedoch immer tragen müssen – es geht darum, die Entscheidung so gut wie möglich abzusichern.

life-science: Welche Risiken geht ein/e Jungunternehmer/in ein, wenn er/sie den Schritt aus dem Dienstverhältnis in die Selbstständigkeit wagt?

Mag. Ibovnik: Ein/e junge/r Unternehmer/in, der/die sein/ihr fixes Dienstverhältnis aufgibt und das Unternehmen Selbständigkeit wagt, wird mit einigen neuen Situationen konfrontiert werden – abgesehen davon, dass er/sie seine/ihre fixen Arbeitszeiten und den jährlich gesetzlich zuerkannten Urlaub nicht mehr geregelt konsumieren kann, kann es im Krankheitsfall zu erheblichen Schwierigkeiten kommen. Die erste Zeit der Selbständigkeit, wo man vielleicht noch ein Produkt fertig entwickeln muss, wo man Akquisearbeit leistet und möglicherweise noch kein geregeltes Einkommen hat, muss überbrückt werden. Finanzielle Investitionen, die oft notwendig sind, müssen ebenfalls getätigt werden. Ein Großteil der Risiken können durch gute Beratung und verschiedene Versicherungen eingedämmt werden.
Beim Schritt in die Selbständigkeit wird des Öfteren das allgemeine Risiko des Scheiterns genannt. Dabei wird oft vergessen, dass in der heutigen Zeit auch ein "fixer Job" nicht mehr wirklich fix ist.

life-science: Gibt es für einzelne Risken auch so etwas wie Frühwarnsysteme?

Mag. Ibovnik: Das wichtigste für den/die angehende/n Jungunternehmer/in ist Information. Informationen über den Markt, Informationen über seine/ihre künftigen Kunden, Informationen über Konkurrenten, Informationen über Fördermöglichkeiten etc. In erster Linie geht es darum, die Vorbereitungsphase so gut wie möglich zu nutzen, Kontakte zu knüpfen, sich Feedback zu der eigenen Idee zu holen und den Businessplan so detailliert wie möglich vorzubereiten. Hier erfährt der/die Gründer/in sehr rasch, ob das Produkt von den Kunden gewünscht wird, ob der Preis konkurrenzfähig ist, ob ein genügend großer Markt vorhanden ist etc. Im Planungsstadium kann man jederzeit und ohne große Verluste zwischen der stopp or go -Variante entscheiden. Auch später ist es mit einem durchdachten Kontrollsystem jederzeit möglich, Fehlverläufe/Fehlentwicklungen rasch aufzudecken und gegenzusteuern, indem man die Planwerte mit den Istwerten vergleicht.

life-science: Sie haben jetzt die einzelnen Risiken angeführt, wie können diese Risiken im Rahmen der AplusB Zentren abgefedert werden?

Mag. Ibovnik: Die AplusB-Zentren stehen den Gründungswilligen in der Vorgründungsphase zur Seite. Zu Beginn wird der/die potentielle Gründer/in bei der Erstellung des Businessplanes unterstützt. Durch das spezielle Ausbildungsprogramm der Zentren erhalten die Gründer/innen fundiertes Wissen zu einzelnen relevanten Themenbereichen. Innovative Gründungsideen werden durch die Zentren für die Dauer von 18 Monaten intensiv betreut und begleitet. Dazu gibt es auch finanzielle Förderungen, die das Risiko und die Belastung am Anfang so gering wie möglich halten sollen. Durch den ständigen Kontakt zwischen Zentrum und Gründer/in funktioniert auch das Frühwarnsystem optimal und die Berater/innen der Zentren können schon sehr früh regulierend eingreifen.

life-science: Wir haben jetzt die Risiken angesehen. Risiken geht man ein, wenn man auch etwas gewinnen will. Welche Chancen haben Unternehmer/innen?

Mag. Ibovnik: Die Chancen, die das Unternehmertum bietet sind sehr vielfältig. Nicht von ungefähr wagen immer mehr Menschen den Schritt in die Selbständigkeit. Sowohl wirtschaftliche Motive (z.B. höheres Einkommen) als auch persönliche Motive spielen hier eine große Rolle. Eigene Ideen umzusetzen und sich dadurch selbst zu verwirklichen, sein/e eigene/r Chef/in zu sein, seine Arbeitszeiten flexibel gestalten zu können, die Entscheidungen in der eigenen Hand zu haben und die Möglichkeit zu haben nach einigen Jahren ein gut funktionierendes Unternehmen mit einigen Mitarbeitern/innen in die Welt gesetzt zu haben – das sind Argumente, die für ein eigenes Unternehmen sprechen.

life-science: Abschließend eine ganz andere Frage. Die AplusB Zentren sind sehr eng mit den Universitäten verknüpft. Die Universität in Klagenfurt hat aber keine naturwissenschaftlichen Studien. Kann sich ein/e Naturwissenschafter/in an Sie wenden? Unter welchen Voraussetzungen ist es für Naturwissenschafter/innen interessant, in Kärnten ein Unternehmen zu gründen?

Mag. Ibovnik: Das AplusB-Gründerzentrum in Kärnten ist für alle Akademiker/innen offen. Personen, die naturwissenschaftliche Fächer studiert haben und vielleicht jetzt in die Heimat zurückkommen möchten, werden selbstverständlich gerne betreut. Das Fehlen einer naturwissenschaftlichen Fakultät vor Ort sollte dabei keine negativen Auswirkungen haben. Know-How-Transfer kann auch über "Landesgrenzen" hinweg stattfinden und die Universität Graz ist nur 1,5 Autostunden entfernt. Ein/e potentielle/r Gründer/in trifft in Kärnten auf sehr fruchtbaren Boden, da sich im Umfeld des Zentrums kleine junge Unternehmen angesiedelt haben wodurch sich Synergieeffekte und Erfahrungsaustauschmöglichkeiten ergeben können. Nicht zuletzt profitieren die Unternehmen in Kärnten auch von der hervorragenden Lebensqualität, die sowohl von Unternehmern/innen als auch von deren Mitarbeiter/innen geschätzt wird.

life-science: Vielen Dank für das Gespräch!

ImageMag. Karin Ibovnik ist Geschäftsführerin des AplusB Gründerzentrums built! in Kärnten.
build! verfügt sowohl in Klagenfurt als auch in Villach über Gründer/innen-Büros. Die Kernleistungen von build! sind einerseits die Förderung und Betreuung innovativer Gründungsideen von Akademiker/innen aus Universitäten und Fachhochschulen und andererseits das Setzen von Stimulierungsmaßnahmen, um Selbständigkeit als Option zu positionieren.

Nähere Informationen: http://www.build.or.at/ 
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 12 Dezember 2007 )
 
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