life-science: Als Unternehmer/in muss man bereit sein, Risiken einzugehen. Wie schätzen Sie das Risikoverhalten
erfolgreicher Unternehmer/innen ein, zeigen diese eine höhere Risikobereitschaft? Brauchen Unternehmer/innen so etwas wie eine
Spielernatur oder wäre das genau das Verkehrte?
Mag. Ibovnik: Eine Person, die es immer gescheut hat ein
Risiko einzugehen – oder auch einfach Entscheidungen zu treffen, die größere
Auswirkungen haben – wird es als Unternehmer/in nicht einfach haben.
Andererseits besteht bei der risikofreudigen Spielernatur die Gefahr, dass
schlussendlich "alles verspielt" wird. Es geht bei dem/der
erfolgreichen Unternehmer/in sicher oft darum, etwas zu riskieren – aber immer
mit der nötigen kaufmännischen Vorsicht im Hintergrund. Marktchancen entdecken,
Risiken realistisch einschätzen, die ersten Schritte am Markt setzen – all
diesen Tätigkeiten müssen fundierte Analysen vorausgegangen sein um das Risiko
so gering wie möglich zu halten. Das Risiko einer Entscheidung wird der/die
Unternehmer/in jedoch immer tragen müssen – es geht darum, die Entscheidung so
gut wie möglich abzusichern.
life-science: Welche Risiken geht ein/e Jungunternehmer/in
ein, wenn er/sie den Schritt aus dem Dienstverhältnis in die Selbstständigkeit
wagt?
Mag. Ibovnik: Ein/e junge/r Unternehmer/in,
der/die sein/ihr
fixes Dienstverhältnis aufgibt und das Unternehmen Selbständigkeit
wagt, wird
mit einigen neuen Situationen konfrontiert werden – abgesehen davon,
dass er/sie
seine/ihre fixen Arbeitszeiten und den jährlich gesetzlich zuerkannten
Urlaub
nicht mehr geregelt konsumieren kann, kann es im Krankheitsfall zu
erheblichen
Schwierigkeiten kommen. Die erste Zeit der Selbständigkeit, wo man
vielleicht noch ein Produkt fertig entwickeln muss, wo man
Akquisearbeit leistet und möglicherweise noch kein geregeltes
Einkommen hat, muss überbrückt werden. Finanzielle Investitionen, die
oft
notwendig sind, müssen ebenfalls getätigt werden. Ein Großteil der
Risiken
können durch gute Beratung und verschiedene Versicherungen eingedämmt
werden. Beim Schritt in die Selbständigkeit wird des
Öfteren das allgemeine Risiko des Scheiterns genannt. Dabei wird oft vergessen,
dass in der heutigen Zeit auch ein "fixer Job" nicht mehr wirklich
fix ist.
life-science: Gibt es für einzelne Risken auch so etwas
wie Frühwarnsysteme?
Mag. Ibovnik: Das wichtigste für den/die angehende/n Jungunternehmer/in
ist Information. Informationen über den Markt, Informationen über seine/ihre
künftigen Kunden, Informationen über Konkurrenten, Informationen über
Fördermöglichkeiten etc. In erster Linie geht es darum, die Vorbereitungsphase
so gut wie möglich zu nutzen, Kontakte zu knüpfen, sich Feedback zu der eigenen
Idee zu holen und den Businessplan so detailliert wie möglich vorzubereiten.
Hier erfährt der/die Gründer/in sehr rasch, ob das Produkt von den Kunden
gewünscht wird, ob der Preis konkurrenzfähig ist, ob ein genügend großer Markt
vorhanden ist etc. Im Planungsstadium kann man jederzeit und ohne große
Verluste zwischen der stopp or go -Variante entscheiden. Auch später ist es mit
einem durchdachten Kontrollsystem jederzeit möglich, Fehlverläufe/Fehlentwicklungen
rasch aufzudecken und gegenzusteuern, indem man die Planwerte mit den Istwerten
vergleicht.
life-science: Sie haben jetzt die einzelnen Risiken
angeführt, wie können diese Risiken im Rahmen der AplusB Zentren abgefedert
werden?
Mag. Ibovnik: Die AplusB-Zentren stehen den
Gründungswilligen in der Vorgründungsphase zur Seite. Zu Beginn wird der/die
potentielle Gründer/in bei der Erstellung des Businessplanes unterstützt. Durch
das spezielle Ausbildungsprogramm der Zentren erhalten die Gründer/innen
fundiertes Wissen zu einzelnen relevanten Themenbereichen. Innovative
Gründungsideen werden durch die Zentren für die Dauer von 18 Monaten intensiv
betreut und begleitet. Dazu gibt es auch finanzielle Förderungen, die das
Risiko und die Belastung am Anfang so gering wie möglich halten sollen. Durch
den ständigen Kontakt zwischen Zentrum und Gründer/in funktioniert auch das
Frühwarnsystem optimal und die Berater/innen der Zentren können schon sehr früh
regulierend eingreifen.
life-science: Wir haben jetzt die Risiken angesehen. Risiken
geht man ein, wenn man auch etwas gewinnen will. Welche Chancen haben
Unternehmer/innen?
Mag. Ibovnik: Die Chancen, die das Unternehmertum bietet
sind sehr vielfältig. Nicht von ungefähr wagen immer mehr Menschen den Schritt
in die Selbständigkeit. Sowohl wirtschaftliche Motive (z.B. höheres Einkommen)
als auch persönliche Motive spielen hier eine große Rolle. Eigene Ideen
umzusetzen und sich dadurch selbst zu verwirklichen, sein/e eigene/r Chef/in zu
sein, seine Arbeitszeiten flexibel gestalten zu können, die Entscheidungen in
der eigenen Hand zu haben und die Möglichkeit zu haben nach einigen Jahren ein
gut funktionierendes Unternehmen mit einigen Mitarbeitern/innen in die Welt
gesetzt zu haben – das sind Argumente, die für ein eigenes Unternehmen
sprechen.
life-science: Abschließend eine ganz andere Frage. Die
AplusB Zentren sind sehr eng mit den Universitäten verknüpft. Die Universität
in Klagenfurt hat aber keine naturwissenschaftlichen Studien. Kann sich ein/e
Naturwissenschafter/in an Sie wenden? Unter welchen Voraussetzungen ist es für
Naturwissenschafter/innen interessant, in Kärnten ein Unternehmen zu gründen?
Mag. Ibovnik: Das AplusB-Gründerzentrum in Kärnten ist für
alle Akademiker/innen offen. Personen, die naturwissenschaftliche Fächer
studiert haben und vielleicht jetzt in die Heimat zurückkommen möchten, werden
selbstverständlich gerne betreut. Das Fehlen einer naturwissenschaftlichen
Fakultät vor Ort sollte dabei keine negativen Auswirkungen haben.
Know-How-Transfer kann auch über "Landesgrenzen" hinweg stattfinden
und die Universität Graz ist nur 1,5 Autostunden entfernt. Ein/e potentielle/r
Gründer/in trifft in Kärnten auf sehr fruchtbaren Boden, da sich im Umfeld des
Zentrums kleine junge Unternehmen angesiedelt haben wodurch sich
Synergieeffekte und Erfahrungsaustauschmöglichkeiten ergeben können. Nicht
zuletzt profitieren die Unternehmen in Kärnten auch von der hervorragenden
Lebensqualität, die sowohl von Unternehmern/innen als auch von deren
Mitarbeiter/innen geschätzt wird. life-science: Vielen Dank für das Gespräch! Mag. Karin Ibovnik ist Geschäftsführerin des AplusB Gründerzentrums built! in Kärnten. build! verfügt sowohl in Klagenfurt als auch in Villach über
Gründer/innen-Büros. Die Kernleistungen von build! sind einerseits die
Förderung und Betreuung innovativer Gründungsideen von Akademiker/innen
aus Universitäten und Fachhochschulen und andererseits das Setzen von
Stimulierungsmaßnahmen, um Selbständigkeit als Option zu positionieren.
Nähere Informationen: http://www.build.or.at/
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