life-science: Um jemanden beraten zu können und von Anfang
an die richtigen Schritte zu setzen, ist es notwendig, eine Geschäftsidee zu
kennen. Beobachten Sie Unterschiede zwischen den Persönlichkeiten, wie tief sie
in ein Projekt Einblick gewähren?
Dr. Hilby: Ja, es gibt sehr unterschiedliche
Persönlichkeiten, die Unternehmen gründen wollen. Von unbedarft, vertrauensvoll
über eigenbrödlerisch bis misstrauisch sind alle Nuancen vertreten. Natürlich
spielen hier auch Mentalitätsunterschiede eine große Rolle.
life-science: Wieviel soll/darf der/die potenzielle
Unternehmer/in in diesem frühen Stadium von seiner/ihrer Geschäftsidee bereits
verraten?
Dr. Hilby: Eine allgemeingültige Regel kann nicht genannt
werden. Es ist vor allem eine Frage des Projektes und des persönlichen
Vertrauens. Bei Gründungszentren (wie z.B. AplusB-Zentren) oder anderen
Unterstützungsstellen, ist die offene Kommunikation besser als übertriebene
Geheimniskrämerei. Um einem/r Interessenten/in wirklich helfen zu können,
müssen die betrauten Gremien das Modell
bzw. die Rahmenbedingungen tatsächlich kennen. Etwas mehr Vorsicht ist geboten,
wenn mit möglichen Konkurrenten/innen kommuniziert wird.
life-science: Was hat der einzelne davon, wenn er über seine/ihre
Idee mit anderen spricht?
Dr. Hilby: Die eigene Idee kann und wird über Gespräche
und Inputs anderer Personen wachsen. Dazu braucht es aber ein gutes
Vertrauensverhältnis. Wer eine solche Vertrauensperson ist bzw. mit wem man ein
solches Vertrauensverhältnis eingeht, ist sehr stark von der persönlichen,
zwischenmenschlichen Ebene abhängig.
life-science: Welche Möglichkeiten gibt es, die eigene Idee
zu schützen?
Dr. Hilby: Als Schutz der eigenen Idee sind sog.
Vertraulichkeitserklärungen weit verbreitet und durchaus üblich. Dabei
verpflichtet sich der/die Informationsempfänger/in, relevante Informationen
nicht weiter zu verwenden oder anderen zugänglich zu machen. Bei konkreten
technischen Entwicklungen oder Erfindungen besteht auch die Möglichkeit des Muster-,
bzw. Patentschutzes.
life-science: Was ist der Businessplan und wozu dient er?
Dr. Hilby: Eine Idee ist die Basis, aber zu einem
erfolgreichen Geschäft gehört noch viel mehr. Beispielsweise ein fundierter
Businessplan (BP). Durch den BP ist man gezwungen, sich strukturierte Gedanken
zum Umfeld der Idee (von Kunden/innen über Organisation bis zur Finanzierung)
zu machen und diese auch verständlich formuliert zu Papier zu bringen. In
erster Linie ist der BP somit ein Orientierungshilfsmittel für den/die Gründer/in.
Dr. Hilby: Natürlich ist der BP auch ein Kommunikationsmittel.
Vor allem die Executive Summary (also die kurze Zusammenfassung am Anfang) ist
besonders wichtig, um dem/der oder den Partnern/innen die Idee "zu
verkaufen ". Partner/innen können dabei unterschiedlichst sein, von
Geldgebern/innen (Investoren/innen, Banken) über Lieferanten/innen,
Unterstützungsstellen (FFG, AWS, Bundes- und Landesförderstellen) bis zu möglichen
Gründungspartnern/innen. Entsprechend sollte auch die Kommunikation im BP
gewählt werden.
life-science: Worauf soll man beim Erstellen achten?
Dr. Hilby: Es gibt massenweise Vorlagen und Musterpläne
z. B. im Internet. Die Grundstruktur eines BP ist relativ klar vorgegeben.
Trotzdem sind einige Punkte natürlich ganz besonders zu beachten. Wie bereits
gesagt, handelt es sich beim BP auch um ein Kommunikations- und Verkaufsmittel,
d. h. er sollte zielgruppenspezifisch formuliert sein, die Interessen des/der
Lesers/in treffen und auch optisch und gestalterisch gut gemacht sein.
life-science: Welche Unterstützung bieten Sie dabei als AplusB
Zentrum?
Dr. Hilby: Bei der Erstellung eines BP ist es meist
vorteilhaft, wenn man eine/n vertrauensvolle/n Sparring-Partner/in hat, der/die
mit - auch unangenehmen - Fragen immer wieder eine neue Sichtweise auf die
Geschäftsidee einbringt. Dies ist neben der generellen Unterstützung bei der
BP-Erstellung eine der wichtigsten Aufgaben seitens der AplusB-Zentren.
Selbstverständlich können über das Netzwerk und die Erfahrungen der Berater/innen
in den einzelnen Zentren noch viele weitere Unterstützungsleistungen, Kontakte
und Wissen eingebracht werden (Marktrecherchen, techn. Gutachten,
Marktkenntnisse, usw.).
life-science: Der BP ist die Entscheidungsgrundlage des
Gründungsbeirates, der über die Aufnahme von Geschäftsideen in das AplusB
Zentrum entscheidet. Kann man sagen, der Gründungsbeirat ist die erste große
Herausforderung für den/die potenzielle/n Unternehmer/in?
Dr. Hilby: Dazu muss man sagen, dass der Gründungsbeirat bei
den APlusB-Zentren aus erfahrenen Wirtschafts- und Fachexperten/innen besteht
und jenes Gremium darstellt, welches über eine Projektaufnahme ins APlusB-Programm
entscheidet. Somit kann man sagen, dass die Präsentation vor dem
Gründungsbeirat sicher eine erste Herausforderung darstellt. Allerdings würde
ich diese noch eher als Unterstützung ansehen, da die Beiräte an
Unternehmensgründungen interessiert sind und eher als erweiterte
Feedbackschleife agieren, welche zusätzliche Erfahrungen und Kenntnisse in die
Projektbeurteilung einbringen. Bei der Projektbeurteilung werden die
verschiedenen Teilbereiche des BP genau unter die Lupe genommen und auf Basis
des Wissens und der Erfahrung der Beiräte vertiefende Fragen gestellt. Oft
bekommen die Gründungsinteressierten auch noch wertvolle Tipps und Infos mit
auf den Weg.
life-science: Wie geht es weiter, wenn der Gründungsbeirat
positiv entschieden hat?
Dr. Hilby: Die AplusB-Zentren haben dann über das
Förderprogramm die Möglichkeit, gezielte Unterstützungsleistungen zur Verfügung
zu stellen. Diese gliedern sich einerseits in Beratungsleistungen über die
eigenen Berater/innen bzw. das vorhandene Netzwerk. Andererseits wird
Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Dies können vorbereitete, möblierte Büros
sein, in welchen sofort mit der Arbeit begonnen werden kann. Aber auch
technische Infrastruktur über die Partner/innen (Universitäten und
Fachhochschulen) sind verfügbar. Als weiteren Punkt besteht auch die
Möglichkeit, über Darlehen und/oder Zuschüsse in der Gründungsphase
unterstützend zu agieren. Welche Leistungen konkret angeboten werden, hängt
wiederum von den Erfordernissen und Projekten ab.
life-science: Welche Finanzierung muss der/die Gründer/in zu
diesem Zeitpunkt selbst mitbringen?
Dr. Hilby: Diese Frage kann nicht generell beantwortet
werden. Sie ist sehr stark vom Projekt abhängig. Grundsätzlich wird aber Wert
darauf gelegt, dass der/die Gründer/in auch finanzielles Risiko trägt. life-science: Vielen Dank für das Gespräch! Dr. Bernd Hilby ist Geschäftsführer bei v-start Kompetenzzentrum für Unternehmensgründung GmbH. v-start ist das Vorarlberger AplusB-Zentrumder Universität Innsbruck, der Fachhochschule Vorarlberg
sowie weiteren privaten und öffentlichen Organisationen. v-start
stimuliert Unternehmensgründungen aus Forschungs- und
Entwicklungsprojekten, betreut Gründerteams auf dem Weg in die
Selbständigkeit und unterstützt sie finanziell.
Nähere Informationen: www.v-start.at |