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Dienstag, 22 Mai 2012
 
 
CAST, Center for Academic Spin-offs Tyrol II | Drucken |  E-Mail

Image Life Science Unternehmen - Spezialfall der Gründungsfinanzierung. 

Dr. Ludwig Weiss, CAST, Center for Academic Spin-offs Tyrol Das Risiko der Gründer/innen beschränkt sich selbst dann, wenn Meilensteine nicht erreicht werden, primär auf die Abgabe von Geschäftsanteilen. Das tatsächliche monetäre Risiko tragen allein die Investoren/innen.

life-science: Die Gründung von Life Science Unternehmen wird oft als besonders risikoreich und sehr investiv beschrieben. Warum, wodurch unterscheiden sich Unternehmensgründungen im Life Science Bereich von anderen Branchen?

Dr. Weiß: Biotech-Unternehmen agieren in einem globalen, äußerst dynamischen Umfeld. Dementsprechend sollten Neugründungen im Life Science Bereich auf einer innovativen, wissenschaftlich herausragenden Produktidee basieren, die sich in ein vermarktbares Produkt umsetzen lässt. Wenn bereits vor der Unternehmensgründung das "proof of concept" erbracht wurde und Wettbewerber/innen durch werthaltige Schutzrechte am Markteintritt gehindert werden können, sind wichtige Voraussetzungen gegeben, um in diesem dynamischen Umfeld bestehen zu können und für potenzielle Investoren/innen attraktiv zu sein. 

life-science: Was sollen Gründer/innen von Biotech Unternehmen bei der Gründung mitbringen?

Dr. Weiß: Valide immaterielle Werte und daraus abgeleitete Produkte die einen attraktiven Markt adressieren, sind bei Biotech-Gründungen erheblich wichtiger als das eingebrachte Eigenkapital der Gründer/in. Ferner sollte das Gründerteam für die künftige Entwicklung des Unternehmens alle relevanten Managementfähigkeiten besitzen. Fehlende Managementqualitäten sind eine häufige Ursache für das Scheitern von Biotech-Unternehmen. Entsprechend sensibel reagieren Investoren/innen, wenn sich ein Mangel an solchen Fähigkeiten abzeichnet.

life-science: Was verursacht den hohen Finanzbedarf bei Biotech Unternehmen?

Dr. Weiß: Die Life Science Branche hat einen ganz spezifischen Wertschöpfungsprozess mit sehr langen Entwicklungszyklen. Die Entwicklung eines Therapeutikums von der ersten Identifizierung der Wirksubstanz bis zur Vermarktung als Arzneimittel dauert üblicherweise mehr als zahn Jahre und verschlingt dreistellige Millionenbeträge. Derartige Summen können nur in Ausnahmefällen von Biotech-Unternehmen aufgebracht werden (z.B. nach einem Börsegang über den Kapitalmarkt). 

life-science: Ein Unternehmen startet kaum mit einem Börsegang, welche andere Möglichkeit gibt es?

Dr. Weiß: Biotech-Unternehmen positionieren sich in der start-up Phase meist als innovative Nischenanbieter im Bereich der präklinischen Forschung und Entwicklung. Hier können staatliche Fördermittel und teilweise bereits erstes Risikokapital zur Finanzierung herangezogen werden. In der Medizintechnikbranche ist der Finanzbedarf deutlich geringer. Hier liegt bei der Unternehmensgründung häufig schon ein funktioneller Prototyp vor und der Weg zu den ersten Umsätzen ist etwas kürzer.

life-science: Ist der Finanzbedarf während der gesamten Produktentwicklung konstant oder ändert er sich im Laufe der Zeit?

Dr. Weiß: Mit fortschreitender Entwicklung eines Therapeutikums steigen die Entwicklungskosten exponentiell an. Etwa drei Viertel der Gesamtkosten fallen in der klinischen Erprobung der Arzneimittelkandidaten an. Deshalb gehen Biotech-Unternehmen zu diesem Zeitpunkt häufig Allianzen mit finanzkräftigeren Partnern aus der Pharmaindustrie ein. Über Einnahmen aus Lizenzzahlungen eröffnen sich dabei zusätzliche Kapitalquellen zur Deckung der operativen Kosten.

life-science: Das bedeutet, ein Unternehmen investiert ohne nennenswerte Einkünfte über zehn Jahre hindurch. Wie ist das praktisch möglich?

Dr. Weiß: Die langen Entwicklungszeiten lassen sich nur über mehrere hintereinandergeschaltete Finanzierungsrunden bestreiten ("staged financing"). Für das Management-Team bedeutet das, dass schon bald nach dem Abschluss einer Finanzierungsrunde die Vorbereitungen für die nächste Runde beginnen müssen. Dies unterstreicht, weshalb ein breit aufgestelltes und erfahrenes Management-Team ein derart erfolgskritischer Faktor für die künftige Ertragsentwicklung eines Life Science Unternehmens ist.

life-science: Investoren/innen erwarten sich Geschäftsanteile. Ist dies ein "Ausverkauf" der Geschäftsidee?

Dr. Weiß: Quasi als Gegenleistung für dessen finanzielles Engagement erhält die Investorengruppe Geschäftsanteile und wird so am künftigen Unternehmenserfolg beteiligt. Die Angst vieler Gründer/innen bei der Erstrundenfinanzierung, die Mehrheit am Unternehmen an die Investoren/innen abgeben zu müssen, ist jedoch vollkommen unbegründet.

Mit jeder weiteren Finanzierungsrunde werden die Geschäftsanteile der Altgesellschafter/innen weiter "verwässert". Je höher der Unternehmenswertzuwachs zwischen den Finanzierungsrunden ist, umso weniger Geschäftsanteile müssen dabei abgegeben werden. Umgekehrt bedeutet dies: Werden vom Unternehmen wichtige Meilensteine verpasst und muss zusätzliches Kapital nachgeschossen werden, reduzieren sich die Geschäftsanteile der Gründer/innen entsprechend zu Gunsten der Kapitalgeber/innen. 

life-science: Welches Risiko trägt der/die Gründer/in?

Dr. Weiß: Das Risiko der Gründer/innen beschränkt sich selbst dann, wenn Meilensteine nicht erreicht werden, primär auf die Abgabe von Geschäftsanteilen. Das tatsächliche monetäre Risiko tragen allein die Investoren/innen.

life-science: Vielen Dank für das Gespräch!

ImageDr. Ludwig Weiss ist Gründungsberater des AplusB Gründerzentrums CAST in Tirol. CAST (Center for Academic Spin-offs Tyrol) ist das Gründungszentrum der Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen Tirols. Zentrale Aufgabe des CAST ist die Stimulierung, intensive Beratung, Begleitung und Förderung von technologieorientierten Unternehmensgründungen aus den genannten Einrichtungen.
CAST optimiert die wirtschaftliche Verwertung universitärer Forschungsergebnisse über Beratung zu gewerblichem Schutzrecht (Patente, Lizenzen) und Vernetzung aller Initiativen, die den Technologietransfer aus dem akademischen Umfeld hinein in die Wirtschaft fördern.

Nähere Informationen: www.cast-tyrol.com/

 
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 12 Dezember 2007 )
 
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