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life-science: Gibt
es bestimmte Qualifikationen, an denen im Voraus abzulesen ist, ob jemand ein/e
erfolgreiche/r Unternehmer/in werden wird oder nicht?
Mag.
Pichler: Welche Qualifikationen für eine/n Unternehmer/in
wichtig sind, hängt sehr stark auch von der Lebensphase des Unternehmens ab. In
der Gründungsphase heißt Unternehmer/in zu sein, eine Vielzahl von Aktivitäten
bewältigen zu müssen, die alle wichtig, dringend und interdependent sind.
Enorme Flexibilität und Einsatzbereitschaft, Durchhaltevermögen und
Begeisterung für die eigene Sache und den Willen zum Erfolg sind daher
Eigenschaften, die ein/e Gründer/in schon mitbringen sollte.
life-science: Hat eine einzelne Person all
diese Fähigkeiten?
Mag.
Pichler: Den idealen Unternehmertypus gibt es für mich
nicht. Niemand kann all die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse perfekt
vereinen, irgendwo sind immer Abstriche zu machen. Sieht man sich in der
Wirtschaft um, so sieht man extrovertierte Macher/innen ebenso wie die stillen
Manager/innen im Hintergrund, Geisteswissenschafter/innen ebenso in
Führungspositionen wie Naturwissenschafter/innen oder Betriebswirte/innen.
Wichtig ist, die eigenen Stärken zu erkennen und die fehlenden Qualifikationen
durch Weiterbildung oder andere Teammitglieder zu ergänzen.
life-science: Wie wichtig sind Ihrer Einschätzung
nach Branchenkenntnisse?
Mag.
Pichler: Unternehmer/in zu sein, heißt letztlich
Kundenbedürfnisse aufzuspüren und diese mit den richtigen Lösungen und in
geeigneter Weise zu befriedigen. Natürlich tut man sich dabei leichter, wenn
man in einer Branche „aufgewachsen“ ist und die Teilnehmer/innen und Usancen dieser
Branche kennt. Aber auch dies ist kein Patentrezept. (S)einen Markt kennen zu
lernen ist keine Geheimwissenschaft, sondern harte Arbeit. Und wenn man in
einer Branche nicht verankert ist, dann ist es wichtig, sich rechtzeitigen die
richtigen Unterstützer/innen zu suchen. Viele erfolgreiche Unternehmer/innen
zeigen sich bereit, engagierte Jungunternehmer/innen als Mentoren,
Businessangels o.ä. zu unterstützen.
life-science: Beobachten Sie bei
Naturwissenschafter/innen bestimmte Fähigkeiten oder Eigenschaften, die bei
diesen Akademikern tendenziell besonders stark ausgeprägt sind oder auffallend
oft vermisst werden?
Mag.
Pichler: Viele Naturwissenschafter/innen zeichnet eine
ausgeprägte Fähigkeit zu analytischem Denken und logischen Schlussfolgerungen
aus, die in vielen Situationen hervorragende Dienste leistet. Andererseits
fällt es manchen schwer, damit umzugehen, dass Wirtschaft nicht (immer) durch
kausale Zusammenhänge erklärt werden kann und das richtige Gespür oft genauso
viel zählt. Zu beobachten ist auch, dass Naturwissenschafter/innen häufig dazu
neigen, ihr „Licht unter den Scheffel zu stellen“ während sie meinen, dass z.B.
Betriebswirte/innen selbstverständlich die geborenen (Selbst-)Verkäufer/innen
sind.
life-science: Muss ein/e Unternehmer/in alles
selbst können?
Mag.
Pichler: In der Gründungsphase muss ein/e Unternehmer/in
häufig überall anpacken und alles allein erledigen. Aber dann ist es wichtig,
sich über die eigenen Stärken klar zu werden und den „richtigen“ Platz im Unternehmen
zu finden. Aufgaben, die man nicht gern macht, macht man auch nicht gut. Da ist
es viel sinnvoller, sich eine Partnerin oder einen Partner zu suchen, welche/r
die komplementären Fähigkeiten mitbringt und jede/r sich auf die Aufgaben
konzentriert, worin sie/er gut ist. Es ist besser, von einem funktionierenden
Unternehmen die Hälfte zu haben, als 100% von einem siechen!
life-science: Welche Soft-Skills tragen
wesentlich zum Unternehmenserfolg bei?
Mag.
Pichler: Unternehmer/in sein hat immer mit Menschen zu
tun, Kunden/innen, Mitarbeitern/innen, Lieferanten/innen, Partnern/innen. Freude
am Umgang mit Menschen, Kommunikations- und Teamfähigkeit sind daher schon
wichtige Eigenschaften, die ein/e Unternehmer/in mitbringen sollte. Auftreten,
Gewandtheit, Präsentations- und Verkaufsfähigkeiten hingegen sind Assets, die man
sich mit Fleiß und Engagement auch erarbeiten kann.
life-science: Kann man „Persönlichkeit“ in
Seminaren erlernen?
Mag.
Pichler: Persönlichkeit ist ja nichts Angeborenes,
sondern eine Summe an Eigenschaften, die man durch Interaktion mit der Umwelt
entwickelt. Daher ist diese auch nicht unveränderbar, sondern wächst mit den
Herausforderungen, denen man sich stellt. Learning by doing ist also angesagt
und kritische (Selbst-)Reflexion. Seminare können je nach individueller
Lernweise auch einiges dazu beitragen, das „Experiment“ aber nie ersetzen.
life-science: Vielen Dank für das Gespräch.
Mag. Alwin Pichler ist Geschäftsführer des tech2b
Gründerzentrums in Oberösterreich. tech2b ist ein High-Tech Inkubator in Oberösterreich
und bündelt Know-how und Engagement vieler spezialisierter Partner/innen auf die
neue Zielsetzung der Gründung dynamischer wissensbasierter und
technologieorientierter Unternehmen in Oberösterreich. tech2b ist im Techcenter
angesiedelt und hat Räumlichkeiten für die tech2b-Gründerteams gemietet, welche
noch nicht voll besetzt sind. Das Techcenter am Linzer Winterhafen ist mit
seinen 52 Unternehmen, seiner technischen Infrastuktur, seiner zentralen Lage
mit guter Verkehrsanbindung und seinen interessanten Kooperationspartnern ein
Innovations-Netzwerk, das eine ideale Umgebung für junge Unternehmen darstellt,
welche aus dem tech2b-Programm hervorgehen.
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