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life-science: Gibt es
bestimmte Lebenssituationen oder –abschnitte, die besonders gut dazu geeignet
sind, sich selbstständig zu machen.
Dr. Fialka: Natürlich sind die Chancen einer
erfolgreichen Umsetzung einer Idee im Durchschnitt größer, wenn man als
WissenschafterIn auch Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt hat, die man in
seine Entscheidungen mit einfließen lassen kann. Man muss sich auch im Klaren
darüber sein, dass eine Firmengründung vollen Einsatz und Konzentration
erfordert, um ein Optimum herauszuholen. Daher ist es von Vorteil, wenn man
gerade keine anderen großen Themen im Kopf hat. Aber Ideen kommen oft
unvorhergesehen. Und wenn es eine gute Geschäftsidee ist, sollte man auch die
Chance ergreifen und nicht ungenutzt vorbeiziehen lassen – egal in welcher
Lebenssituation oder welchem Alter man gerade ist. Man sollte aber darauf
achten, dass das gesamte persönliche Umfeld auch voll hinter einem steht. In
vielen Fällen wird man über jede Unterstützung und auch das notwendige
Verständnis froh sein.
life-science: Was ist
bei einer guten Idee ausschlaggebend?
Dr. Fialka: Ausschlaggebend an einer
Geschäftsidee ist, dass sie langfristig geeignet ist, am Markt erfolgreich zu
sein und Gewinne zu generieren. Zu allererst müssen Kunden identifizierbar und
erreichbar sein, die bereit sind, für die geplanten Leistungen und/oder
Produkte wirklich Geld auszugeben. Der Kunde kauft nur, wenn er einen Nutzen
daraus zieht, wenn man also ein ganz bestimmtes Problem lösen kann, ein
bestimmtes Bedürfnis befriedigen kann. life-science: Woran erkennt der/die einzelne ob
seine/ihre Idee Zukunft hat?Dr. Fialka: Für den langfristigen Erfolg ist es wichtig,
dass das eigene Angebot sich im Vorteil für den Kunden von dem des Mitbewerbs
abhebt, also für den Kunden einzigartig ist (USP: Unique Selling Proposition). Eine
weitere Frage ist, ob man über die notwendigen Ressourcen wie z.B. Material,
Knowhow, Mitarbeiter, Infrastruktur, Kapital und geistiges Eigentum (Patente,
Marken, …) verfügt oder zumindest eine realistische Chance besteht, darauf
Zugriff zu bekommen. Um Gewinne zu machen, müssen die möglichen Umsätze die notwendigen
Ausgaben (z.B. für Entwicklung, Vermarktung, …) in vernünftig absehbarer Zeit
übersteigen. Nicht zuletzt müssen auch die (rechtlichen) Rahmenbedingungen
beachtet werden: Gibt es bestimmte Vorschriften oder Gesetze, die einzuhalten
sind (z.B.: Normen, Zulassungsfragen, Umweltschutzbestimmungen, uvm.)? Gibt es
bestehende Rechte, die mich an der Umsetzung hindern, bzw. die ich mir sichern
muss (z.B. Patente, Lizenzen)? Gibt es bestimmte Umgangsformen oder wichtige
Personen/Institutionen in der Branche („Wie tickt die Branche?“)?
Das bedeutet, man muss die Idee aus vielen
Blickwinkeln auf wirtschaftliche Umsetzbarkeit prüfen. life-science: Welche Möglichkeiten bieten die AplusB Zentren,
wenn es darum geht, eine Idee auf das unternehmerische Potenzial hin zu checken? Die MitarbeiterInnen
der AplusB Zentren sind hierbei natürlich
mit Erfahrung, wirtschaftlichem Know-how und durch das Stellen vieler Fragen
von Beginn an behilflich.
life-science: Mit anderen
Worten, Sie stellen „lästige“ Fragen und
„zerpflücken“ die Geschäftsidee
kritisch. Warum?
Dr. Fialka: Zum einen, um die Idee auf ihre
Realisierbarkeit und Erfolgswahrscheinlichkeit
„abzuklopfen“. Wir analysieren die Idee nach wirtschaftlichen Kriterien,
welche die oft stark wissenschaftliche, technologische Sichtweise der
ErfinderInnen ergänzt. Die Betrachtung aus einem anderen Blickwinkel und das
kritische Hinterfragen, das beim „eigenen Baby“ auch manchmal schwer fällt, helfen
vor allem Fehler zu vermeiden und „blinde Flecken“ abzudecken. Zum anderen
auch, um weiteres Überdenken, Recherchieren und Team-interne Diskussionen
anzuregen dort, wo Fragen noch nicht geklärt sind, und damit auch um zur
Erfolgswahrscheinlichkeit im positiven Sinne etwas beizutragen. Nicht zuletzt
gilt es auch Gründungswillige vor Fehlinvestitionen (Geld, Zeit, Energie) zu
bewahren, wenn eben kritische Punkte/Risiken übersehen wurden.
life-science: Wie konkret
muss eine Idee bereits sein, damit ein Erstkontakt mit Ihnen sinnvoll ist?
Dr. Fialka: Man sollte zumindest schon eine
Vorstellung vom einzigartigen Vorteil seiner Technologie, seiner Produkte oder
Dienstleistungen haben. Ansonst: Je früher desto besser, da wir schon beim
Durchdenken der Idee unterstützen können. Unter Umständen geht ein(e) GründerIn
dann mit vielen offenen Fragen und Hausaufgaben, aber viel zielgerichteter, mit
Sicherheit mit allerhand Tipps nach Hause.
life-science: Angenommen,
jemand kann Sie mit seiner/ihrer Idee nicht überzeugen, ist dann für den
Betreffenden die Unternehmerlaufbahn gestorben oder hat er andere Möglichkeiten
und Anlaufstellen, an die er sich wenden kann?
Dr. Fialka: Die Unternehmerlaufbahn ist auf
keinen Fall gestorben. Zum einen kann eine Idee überzeugend sein, das Team aber
dennoch nicht durch ein AplusB
Zentrum unterstützt werden können, weil unser Fokus auf Innovationen liegt, die
auf einer technologischen Erfindung oder auf Forschungsergebnissen basieren.
Ist das nicht gegeben, gibt es aber andere Institutionen mit anderen
Schwerpunkten, die wir dem/der GründerIn empfehlen können. Ist die Idee noch
nicht ganz ausgegoren, kann sich das Bild nach Abarbeiten offener Fragen sehr
stark ändern und ist beim nächsten Mal viel überzeugender. Zum anderen liegt es
am/an der GründerIn sich weitere Meinungen einzuholen und dann selbst
pro/contra Umsetzung der eigenen Idee eine Entscheidung zu treffen. Vielleicht
ist ja auch die nächste Idee die viel bessere
life-science: Wie finden die
potenziellen UnternehmerInnen ihre Geschäftsideen? Können Sie uns dazu ein paar
Beispiele nennen? Werden Geschäftsideen akribisch vorbereitet oder sind es
Zufallsprodukte bei der morgendlichen Dusche?
Dr. Fialka: In einem Fall ist es eine Idee
während einer Zugfahrt, im anderen Fall ein strukturierter Vergleich mehrerer
gesammelter Ideen anhand unterschiedlicher Bewertungskriterien (dazu gehörten
oben genannte Kriterien, aber auch die Frage nach dem individuellen
Spaßfaktor), im dritten Fall der Zusammenschluss eines Unternehmers ohne Idee
mit einem Erfinder mit einer interessanten Technologie. Alles ist möglich! life-science: Vielen Dank für das Gespräch.
Dr. Irene
Fialka ist
Gründungsberaterin bei INiTS Universitäres Gründerservice Wien. INiTS ist eines
von neun AplusB Zentren, die
innovative Gründungen aus dem akademischen Bereich von der Idee weg bei der
Realisierung dieser Idee unterstützen.
Nähere
Informationen: www.inits.at
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